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Gedankenspiele am Sonntag: Das INIT Chaos.

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„Die guten alten Zeiten.“ Blöder Spruch, ich weiß. Wie kann man nur so einen Text beginnen? Keine Ahnung. Aber gut, fangen wir mal an: Es gab Zeiten, da konnte man sich bei „Unix“-basierten Systemen auf einige Dinge verlassen. Ersten, man findet auf jeden Fall VI und INIT funktioniert überall gleich oder sagen wir mal sehr ähnlich. Unterschiede gab es schon immer in den Verwaltungswerkzeugen für das INIT-System. Ich erinnere nur an update-rc.d unter Debian und Yast unter Suse und unter RedHat gab es da noch chkconfig? Davon möchte ich aber auch gar nicht sprechen. Den im Grunde funktionierten alle gleich. Kanntest du eins, kanntest du alle. „Die guten alten Zeiten.“

Für alle UNiX Fremden: Init ist auf Unix basierten Systemen der erste gestartete Prozess, welche über viele Scripte das komplette System startet. Auch als System-V-Init bekannt.

Nun hat dieses, sagen wir mal bewährte System auch so seine Nachteile. Und es wird seit langem Zeit, daß eine Alternative geschaffen wird. Nur und das ist auch der Grund dieser Gedankenspiele, was ich in letzter Zeit beobachten kann, ist leider in meinen Augen keine schöne Entwicklung: Jeder noch so kleine Unix-Sprössling backt mal wieder sein eigenes Brot, Mac OS X von Apple eingeschlossen.

So findet man (ohne Wertung der einzelnen Systeme) seit Solaris das Service Management Facility, kurz SMF, in Mac OS X seit 10.4 den launchd Deamon, in Ubuntu upstart und dann gab es noch initng (wobei ng für Next Generation steht) und so weiter. Und es gibt mit Sicherheit noch mehr aufzuzählen.

Ist es wirklich nicht möglich, sich auf ein System zu einigen? Und INIT ist nur eines der viele Unix Baustellen. Gut jedes hat irgendwo seine Vorteile. Und ich sehe auch den Zwang der Firmen schnell Lösungen schaffen zu müssen, da sie es wirklich brauchen, wie zum Beispiel Apple, die ja jetzt Mac OS X auf all ihren Geräten einsetzen. Angefangen beim iPod über das iPhone, AppleTV, Notebooks, Rechnern und Servern. Und für alle soll das gleiche System taugen. Da musste Apple schnell eine Lösung schaffen. Genauso wie Sun eine Lösung schaffen musste.

Nur ist es dann nicht auch irgendwann mal Zeit, daß sich alle Systeme wieder auf ihren Ursprung gesinnen und sich wieder aneinander annähern? Oder ist dieser Gedanke zu ilosorisch? Oder ist es sogar von Vorteil, daß es so viele System gibt? Das beste setzt sich langfristig durch?

So mein Kaffee ist mittlerweile kalt. Denkt mal darüber nach. Und einen schönen Sonntag. Geniesst das schöne Wetter.

PS: Eines ist mir bis heute aber auf allen Systemen geblieben: VI. ;)

Autor: Oliver

Ich bin Oliver und habe den aptgetupdateDE Blog im Juli 2007 aus der Taufe gehoben. Man findet mich auch auf Twitter.

7 Kommentare

  1. [ironie]Ieeeh Standards, das ist ja sowas von unkreativ. Wie kann man nur von ordentlichen Programmierern erwarten das sie Zeug implementieren den sich ein anderer (der sowieso keine Ahnung hat) ausgedacht hat.[/ironie]

    Auf jeden Fall ist aber das Wirrwarr in der FOSS Szene einer der Gründe warum ich mein gutes altes FreeBSd oder auch Apple zumindest meist als Ruhepol empfinde, es funktioniert einfach vieles out-of-the-box. Das auch hier das Rad immer neu erfunden wird steht außer Frage, aber immerhin ist es ein System mit einer neuen Erfindung. Unter dem Deckmantel von Linux findet man „ein“ System mit dreieinhalb Dutzend neuen Erfindungen die alle zu 92,7% funktionieren.

  2. Auf nem Standard Gentoo wirst du auch kein VI haben, da ist nano der per default einzige installierte Editor. Aber das nur so nebenbei. :-)

    Ich mag die Vielfalt auf jeden Fall und ich mag es eigentlich nicht, wenn in Unixkreisen mal wieder über eine Standardisierung von einem Init-System, einem Paketsystem oder einer Oberfläche diskutiert wird. Gerade die Vielfalt ist ja das tolle und jeder soll benutzen was er mag. Der Systemadministrator der das Pech hat Server administrieren zu müssen, die nicht mit „seiner“ Distribution laufen, muss sich halt einlesen, schließlich wird er dafür bezahlt. Und ich finde diesen „Zwang“ sich manchmal in was neues einlesen zu müssen besser, als die Monokultur, die man bei einer MS Serverlandschaft hat, wo man eine gewisse Komponente einfach nicht austauschen kann, weil es keine Alternativen gibt (zugegeben, bei einem Init ist das auch unter Unix schwer möglich *g*).

  3. Schön, wenn man sich auf Editoren, wie den vi verlassen kann. Aber ich fluche jedes mal wenn ich mich auf einem Solaris Server befinde und dort den auf Linux Derivaten mittlerweise zur Standardinstallation gehörenden vim nicht finde.
    Man gewöhnt sich halt sehr schnell an ein bißchen Komfort. :-)

  4. @Phil: Stimmt. Bei Gentoo war es der nano. Das hatte ich irgendwie verdrängt. Aber bei Systemen mit einem guten Paketmanager (und dazu gehört Gentoo, auch wenn es derzeit ganz schön kriselt, mit Sicherheit) ist man ja schnell wieder bei seiner gewohnten Arbeitsumgebung.

    Ich stimme dir auch zu. Vielfalt ist wichtig, Monotonie ist auf jeden Fall auf lange Sicht gesehen nicht förderlich.

  5. @vi: Bei Ubuntu ist auch kein vollwertiger vi mitinstalliert. Das ist eine abgespeckte Version bei der die Shortcuts irgendwie anders sind. Ich komme damit gar nicht klar und installiere, so mit als erstes auf dem frisch installierten System, erst mal die normale Version nach.

    @init: Ich seh nicht wirklich das Problem. Z.B. kann upstart viel viel mehr als das (in meinen Augen veraltete) Init-System.
    Mit upstart kann man viel flexibeler sein. Dienste werden event-abhängig gestarten usw.

    „everyone can be a creator“ – Richtig! Aber das Beste wird sich auf kurz oder lang doch wieder durchsetzen. Im Moment ist meiner Meinung nach eine Experimentierphase was das angeht.