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Internetsperren: Wo fängt es an …

… und wo hört es auf?

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Durch aus verständlich, dass man Kinderpornografie verachten und gegen dieses Problem und vor allem gegen diese Menschen vorgehen muss. Aber Liebe Politiker: fallen euch da keine andere Lösungen ein, als Sperrlisten zu etablieren? Habt ihr keine anderen kreativen Ideen?

Ich will nicht alles „schwarz“ malen, aber setzt sich diese Art von Zensur durch, wird man über weitere Sperrungen bzw. Erweiterungen dieser Sperr-Zensur-Listen und damit auftretenden Probleme gar nicht mehr diskutieren und gar abstimmen. Abgesehen davon, möchte ich nicht wissen, was dieser immense Aufwand kostet, der wahrscheinlich so wirkungslos ist, wie ein Virenscanner mit Virenpattern von 1998. Setzt unsere Steuergelder doch anders ein und versetzt mich mit euren Gesetzesentwürfen nicht immer in Angst und Schrecken.

Wir verurteilen genau dieses Vorgehen in Ländern wie z. B. China und sind dabei die gleichen Strukturen einzuführen. Pfui. Die Zensur fängt mit Kinderpornografie an, und wird vor neuen gesellschaftlichen Problemen nicht halt machen.

Aber wieso ist es so einfach und findet in der Gesellschaft kaum Kritik? Ganz einfach, hier werden 2 Themen von unterschiedlichen Fachgebieten vermischt. Eines, das eigentliche Problem, ist von den Menschen einfach erfassbar und findet starke Zustimmung, die andere Seite, ist dagegen um ein Vielfaches komplexer und viel zu technisch, als dass es von der Masse verstanden wird. Bestes Beispiel dafür ist die Tatsache, dass die Einbringer dieser Gesetzesvorlagen die technischen Grundlagen und Einfachheit der Umgehung solcher Sperrlisten selber gar nicht verstanden haben, obwohl es gegenteilige Meinungen gibt.

Darüber hinaus kann man sich eigentlich nur die Finger verbrennen, wenn man sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Läuft man doch sehr schnell Gefahr, dass man sich auf die falsche Seite stellt bzw. auf die falsche Seite gestellt wird, ist man nicht dieser Meinung und möchte einfach nur auf Gefahren der vorgeschlagenen Lösung aufmerksam machen.

Man darf doch nicht ein Übel, so schrecklich es auch ist, mit einem noch viel schrecklichen Übel bekämpfen. Ich bin traurig, dass es so wenig Menschen gibt, die diese Gefahr nicht sehen und nicht 3 Schritte weiter denken können.

Wie seht ihr das? Einfach Ignorieren, Aussetzen? Nicht weiter darüber nachdenken? Ist es zu politisch? Schwieriges Thema, kaum Antworten, nur meine unwichtige Meinung zu diesem Thema.

Autor: Oliver

Ich bin Oliver und habe den aptgetupdateDE Blog im Juli 2007 aus der Taufe gehoben. Man findet mich auch auf Twitter.

21 Kommentare

  1. Ich bin mittlerweile dazu übergegangen mich nicht mehr aufzuregen und zu warten bis die Politiker die von nix Ahnung haben endlich in Rente gehen und die Digital Natives nachrücken, die dann auch wirklich wissen von was sie reden.

    Dass es in zwanzig Jahren wieder das selbe Problem geben wird ist dann das Problem unserer Kinder :-)

  2. Ich sehe es wie du: das generelle Problem der Kinderpronographie _muss_ man angehen, gar keine Frage. Aber über die technische Umsetzung lässt sich streiten. Wie du schon sagst, wir nähern und mit solchen Ideen von Filtern den Ländern an, die wir wegen dieser Praktiken geringschätzen. Und dann ist es (was die Leute sagen, die eben jene technische Sicht verstehen) schlicht nicht wirklich realisierbar. Das ist das typische Problem des Wettrüstens, wie es auch bei Filesharing und den illegalen MP3s auftauscht: irgendeiner baut was dagegen, dann bauen wieder welche, um die Sperren zu umgehen, … usw.
    Das ist wie bei den „Killerspielen“, man sollte eher versuchen, auf psychischer Seite direkt an den „erkrankten“ Personen was zu machen, als mit irgendwelchen politischen Mitteln, die technisch nicht realisierbar sind. Aber um soweit zu denken, fehlt es den Politikern entweder an Fachwissen oder an guten Beratern.

  3. Ich lehne Zensur grundsätzlich ab.
    Das Thema Kinderpornographie bietet den Politikern (und den unbelehrbaren Medien) einen herrlichen Einstieg, da sich kaum jemand traut öffentlich dagegen zu protestieren. Ist das erst mal etabliert, wird sicher bald etwas gefunden, was man auch noch sperren muss. Natürlich nur um die Gesellschaft zu schützen.

  4. Die geplanten Sperrlisten sind ein Witz und schränken somit auch nicht die Freiheit ein. Das Problem sehe ich eher darin, dass die Politik aus Unwissenheit und Dummheit meint sie hätte genug getan. Entweder man macht es richtig wie die Chinesen oder man kümmert sich um die Gesellschaft, Bildung und Demokratie. Ich habe größte Bedenken, dass in Deutschland gar nichts passiert außer Sperrlisten

  5. Das Bundesverfassungsgericht wird – wie so oft in letzter Zeit – Uschis Vorschläge genauso einkassieren wie Wolfis Träume vom Überwachungsstaat!

  6. Ich lehne ebenfalls jede Zensur ab.
    In unserem Staat werden sukzessive Rechte und Freiheiten beschnitten um angebliche selbige zu schützen.
    Die „offiziellen“ Sperrlisten werden zu dem Zeitpunkt veraltet sein, in dem sie an die Provider verteilt werden.
    Kurzum habe ich die Befürchtung, das der Umkehrschluss früher oder später sogenannte „Whitelists“ sein werden.
    Ich meine mich zu erinnern, das selbst einige Ermittler von der Sperrung solcher Seiten nicht besonders begeistert sind, da sich somit „Ihr“ Klientel sich in alle Winde verstreut.
    (erhöhter Ermittlungsaufwand)
    Zu dem Amoklauf sei erwähnt, dass wir in Deutschland die geringste Jugendpsychologen-Dichte in Europa haben.
    M.W. ist in vielen Skandinavischen Länder an jeder Schule ein Jugend-Psychologe.
    In unserem Staat wird wieder nur das verwirklicht, was am günstigsten ist.
    (Sprich; wir machen das mit den Fähnchen.) Nach der letzten Amoklauf in Erfurt wurden m.W. die WahnStempel auf den Packungen der sogenannten Killerspiele 50% Grösser gemacht.

  7. Aus meiner Sicht sind die Maßnahmen (sprich: Zensur) vollkommen fehl am Platze. Inhalte tot zu schweigen hilft niemandem weiter, alldieweil sich die Täter dadurch nur noch schwerer finden lassen. Abgesehen davon lassen sich Filterlisten relativ problemlos umgehen, so dass die wirklich Interessierten auch weiterhin an ihre Inhalte gelangen.
    Bestenfalls führt die Zensur der entsprechenden Seiten zu einer Verlagerung der Beschaffung von diesem Matieral wieder mehr in den „realen“ Raum.

    Die Hauptproblematik sehe ich aber in der Etablierung von Zensurinfrastrukturen, die ohne Probleme (und das zeigen Beispiele aus Australien) für andere Zwecke mißbraucht werden können. Sprich wir reden hier von einer schleichenden Einführung von Zensur, die in den klassischen Medien, bzw. seitens der Politik tot geschwiegen oder zerredet wird.

    Meines Erachtens liegt ein Verstoß gegen die Verhältnismäßigkeit der Mittel vor – sicherlich ein Thema, mit dem sich das BVG in näherer Zukunft beschäftigen wird. *stöhn*

  8. Pingback: IT::fsinn

  9. Du bringst es durchaus auf den Punkt:

    1. Gegen KiPo vorzugehen ist richtig. Die Mittel gegen die Anbieter dieses Materials vorzugehen – und die Server abzuschalten gibt es international. Das würde nicht nur den Deutschen helfen sondern würde interantional KiPo bekämpfen. Außerdem würde man bei der Konzentration der Ressourcen auf diese Fahndung am ehesten an die Täter kommen.
    2. Die Vermischung mit dem Thema Internet-Zensur ist perfide, weil durch die Vermischung jeder Kritiker von Internetzensur ein potenzieller KiPo-Befürworter ist.
    3. Der Aufbau von Sperrlisten birgt zwei große Gefahren für unsere Demokratie:
    – diese Zensurinfrastruktur kann ohne Aufwand auch zur Zensur anderer Inhalte verwendet werden – ein Missbrauch der Infrastruktur durch den Staat oder durch Unternehmen ist möglich
    – durch die Geheimhaltung der Sperrliste ist eine Überprüfung durch die Bürger, ja auch durch seine gewählten Vertreter nicht mehr möglich.
    – fälschlicherweise gesperrte Seiten (und davon gibt es in anderen Ländern die Internet-Zensur eingeführt haben viele Beispiele) lassen sich gegebenenfalls nicht mehr aktiviere – ein fälschlicherweise Beschuldigter hat immer das Stigmas eines KiPo-Liebhabers … „Meine Seite wurde gesperrt“ … „Na, das BKA wird schon gewusst haben was du da hast … mit Dir will ich nichts mehr zu tun haben.“

    Es schockiert mich jeden Tag wieder mit welcher Dreistigkeit Frau vdL unsere Verfassung ignoriert und nicht mal eingesteht dass das was sie dort macht einer gesetzlichen (wenn nicht sogar grundgesetzlichen) Regelung bedarf.

  10. Also Zensur hin oder her – ich finde, dass durch diese Sperren ja nix wirklich erreicht wird. Und darum sollte es doch aber gehen!
    Konsumenten von Kinderpornos, können ja jetzt auch schon nicht mal eben „bei ebay“ soetwas kaufen, d.h. sie sind es „gewöhnt“ Verrenkungen zu machen um an den Kram ran zu kommen – da kommt dann in Zukunft eben noch ein Proxy im Ausland dazu.
    Man sollte eher bei der „Verwertungskette“ ansetzen und die Zahlungswege über Kreditkarten o.ä. beschränken. Es muss doch möglich sein, solche Schweine daran zu hindern, Kreditkartenzahlungen zu empfangen!

  11. Die haben es einfach nicht kapiert… IN diversen Tauschbörsen kommt man an den Kram mit Sicherheit immernoch ran. Ich glaube kaum, dass die Leute, die Organisiert in diesem Millieu vorgehen das Zeug tatsächlich auf normale Websites stellen.

    Aufregen oder Protestieren bringt eh nix, hat man an der Vorradsdatenspeicherung gesehen.

    Was mir wirklich Sorgen macht, sind die Leute, die Entscheiden, welche Seite wann und warum auf den Index kommt….

  12. Zur Problematik ist ja schon genug geschrieben worden.
    Was kann man machen:
    – via abgeordnetenwatch.de „seinen“ (also den der im eignen Wahlkreis gewählt wurde) Abgeordneten suchen, dort anschreiben und die Problematik ansprechen

    – bei der kommenden Wahl entspr. wählen

  13. Wie schon angemerkt wurde, ist das Thema emotional geladen. Soll heißen, wenn jemand sagt „Ich bin gegen Sperrlisten“ der andere dann „Was, du bist für KiPo? Du Schwein!“ entgegnet. Somit fällt es schwer dagegen zu protestieren, da man dann schnell zur anderen Seite dazugerechnet wird. Solche Sperrlisten gleichen eher einer Scheuklappen-Stragie statt einer effektiven Maßname, um dauerhaft gegen die Betreiber von KiPo-Angeboten vorzugehen. Man sollte mehr Anstrenungen unternehmen die Betreiber dingefest zu machen und die Server vom Netz zu nehmen. Eine Sperrliste zu pflegen und zu warten kostet vielzuviel Geld – Geld das man zum Beispiel zum Anstellen von Ermittlern verwenden könnte. Geld, das zum Fenster herrausgeschmissen wird, da man da ganze via VPN leicht umschiffen kann. Der CCC hat ja mit den chinesischen Sperrlisten gezeigt, dass es geht.

  14. Hilft doch leider eh nichts, wenn man sich aufregt.

    Is ja das selbe mit den „Killerspielen“. Keiner will einsehen, dass die Spiele nicht der Grund für Aggressionen sind bei der heutigen Jugend.

  15. @wazi: Was aber hilft ist Aufklärung und Präsenz. Je mehr Leute das für sinnlos erachten, was da publiziert wird, desto besser. Dumm nur, dass es zu viele BILD-Leser und RTL-Gucker gibt, in diesen Landen.

    Du hast Recht, aufregen allein bringt uns nicht weiter. Daher ist es unerlässlich, für entsprechende Gegenstimmen zu sorgen und so viel zu informieren, wie möglich. Sei es in der Familie („Also, Papa, das ist so…“), im Freundeskreis oder per Wortmeldung beim örtlichen Politiker.

  16. @Tobi: Also auch, wenn ihr BILD-Leser immer als dumm haltet, bin ich der Meinung, dass genau diese Leser genau wissen, dass diese Zensur schlecht ist.
    Denn die BILD schreibt bestimmt nicht positiv darüber, oder?

    Das ist doch die typische Proleten-Zeitung, wie bei uns die Krone, oder?
    Und bei uns schreibt die Krone eigentlich über alles äußerst negativ.

  17. Warum hacken eigentlich alle auf der Bild rum? Kenn dieses Blatt ja leider (?!) nicht.

  18. @wazi: na dann geh mal nach bild.de, das sagt eigentlich alles, aber jedem das Seine, den Fussballteil am Sonntag kann man sogar lesen ;)

  19. Hmmm, Fußball? Igittigitt :-)
    Der Schreibstil ist halt recht einfach gehalten. Eben für die breite Masse genau das Richtige!
    Ich sag ja… wie bei uns die Krone.
    Die Zeitung für den kleinen Mann, der gern das Gehirn gewaschen bekommt :-)

    Meinen die Herren/Damen Politiker ernsthaft, dass das Thema Kinderporno dann wirklich vom Tisch ist, nur weil sie das rausfiltern wollen?
    Wie lang wird es dauern, dass dieser Filter umgangen ist? Zwei Stunden?

    Einfach nur jämmerlich so ein Vorgehen.

    Bin ja nur froh, dass bei uns noch niemand auf so eine geisteskranke Idee gekommen ist!