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Karaoke mal anders

Heute will ich Björns Drängen mal nachgeben und auch ein paar Zeilen von mir geben – und zwar zum Thema Karaoke…

??? Karaoke?, dieser Singmist ???

Genau! So hab ich das erste Mal auch geguckt, bis ich dann auf unserem letztjährigen Betriebssommerfest mit SingStar (Playstation) in Berührung kam und was soll ich sagen? Ich war etwas infiziert – allerdings auch nicht so sehr, daß ich mir eine Playstation gekauft hätte und so kam ich folgerichtig zu Ultrastar, einem OpenSource Projekt, das sich dieser Thematik mittlerweile recht erfolgreich widmet. Es gibt hier verschiedene Versionen, die beste ist jedoch UltraStar Deluxe, momentan in der Version 1.0.1a, welche für Linux, Windows und Mac zu haben ist.

Das eigentlich schöne an dieser Interpretation von Karaoke ist, daß – im Gegensatz zum herkömmlichen Karaoke – der „Künstler“ nicht zu hören ist. Man singt also seinen Titel ab, gern auch im Wettstreit mit anderen. Die Umstehenden aber hören den Orginalsong, vielleicht untermalt mit einem Bild oder Video. Der „Gesang“ wird lediglich in der Tonlage mit dem Original verglichen, je nach Genauigkeit mit mehr oder weniger Punkten versehen und zum Amüsement der Zuschauer zeilenweise mit Güte-Kommentaren versehen.

Also hab ich mir das Teil seinerzeit mal runtergeladen – damals noch nicht in der schicken Deluxe-Version. Das große Manko war für mich zunächst der Mangel an Songs, denn in der installierten Version ist nur ein Demo-Titel dabei.

Okay, Doku gelesen, Google angeschmissen und mal nachgeforscht: Die Songs bestehen in UltraStar aus einem Verzeichnis, in dem mindestens der Song selbst als MP3-Datei sowie eine sogenannte Songdatei liegt. Optional kann man auch noch Cover- und Hintergrundbilder, aber auch Videos zur Untermalung dort ablegen. Die Songdatei ist dabei der Schlüssel und enthält in Textform am Anfang einige Tags, die auf die abgelegten Dateien verweisen, weitergehende Infos zum Song enthalten (Interpret, Genre, …), aber auch den Song steuern, also z.B. die Anfangspause, die BPM u.a. Parameter angeben. Im Anschluß folgt dann der eigentliche Text des Songs in untereinanderligenden Sing-Silben mit den zu den Silben gehörigen Längen und Tonhöhen.

Schön! Aber wo bekommt man sowas her? Hier gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • im UltraStar ist ein Editor eingebaut, mit dessen Hilfe man die Song-Dateien erzeugen kann. Idealerweise hat man dazu vom Song ein MIDI-File, aus dem man mit dem Editor die Singspur extrahieren und in das o.g. Textformat umwandeln kann. Leider liegen MIDI-Files auch nicht auf der Straße.
  • man findet die Textdateien auch verschiedentlich im Internet und muß sich dann aus seiner CD-Sammlung das MP3 selbst rippen. Das hielt man seinerzeit noch für zulässig. Momentan herrscht aber in den offiziellen Foren die Meinung, daß auch der Text, der ja in der Songdatei enthalten ist, dem Urheberrecht unterliegt und so auch nicht verbreitet werden darf. Schade!
  • es soll sogar fertige Songpakete mit allem drum und dran im Netz geben (hört, hört!)… aber das ist natürlich erst recht illegal. Vielleicht läßt es sich ja vertreten, wenn man die CD – und damit den Song und den Text – selbst zu hause und somit ja bereits legal erworben hat.
  • es gibt auch eine Reihe Drittwerkzeuge, aber dazu später.

Tja, das war mir damals alles zu aufwendig und so blieb die Geschichte erstmal liegen, bis dann diesen Sommer mein Geburtstag näher rückte, zu dem ich einen Sangeswettstreit mit eben dieser Software veranstalten wollte. Ich suchte also alles noch einmal raus, fand die oben erwähnte Deluxe-Version und war nach der problemlosen Installation erstmal erneut, diesmal von den Verbesserungen der Deluxe-Version, begeistert!

Die Oberfläche präsentierte sich nun in einem, dem Original sehr ähnlichen, schlichten aber gefälligen Design.

Hauptmenü von UltraStar

Die Bedienung erfolgt sehr einfach per Tastatur, wobei die möglichen wenigen Tasten unten zur Erinnerung anzeigt werden. Alle Aktionen sind effektvoll mit Sound untermalt.

Die Grundfunktion „Singen“ ist wohl das, was man als erstes ausprobiert. Je nachdem, wieviele Sänger man in den Einstellungen konfiguriert hat, wählt man zunächst die Künstler, den Schwierigkeitsgrad und dann den zu singenden Song aus. Als Schwierigkeitsgrade gibt es „schwer, „mittel“ und „leicht“, wobei man bei „schwer“ die Töne recht exakt treffen muß, bei „leicht“ dagegen schon mal etwas daneben liegen darf. Die Songs kann man in den Einstellungen nach verschiedenen Kriterien sortieren.

Songauswahl

Im Bild sind sie alphabetisch angeordnet. Möglich sind aber z.B. auch Interpret oder Genre. Möchte man einen bestimmten Titel in seiner umfangreichen Sammlung finden, kann man die Auswahl über die Taste „J“ und einen entsprechenden Suchbegriff filtern. Auch das Auswählen vorher angelegter Playlisten, wie z.B. „deutsche Titel“, „Volkslieder“ ;) usw. ist möglich und bei großen Sammlungen für eine Party auch unbedingt zu empfehlen. Hat man seinen Titel gefunden geht’s auch schon los und man singt mit, so gut man kann.

singen

Hier sieht man, wie zwei Sänger Ihr Bestes geben. Die Striche stellen die zu treffenden Töne dar, die wirklich gesungenen erscheinen dann als farblich ausgefüllte Striche ebenfalls (sieht man hier nicht, weil ich beim Fotografieren nicht gesungen hab), idealerweise deckungsgleich mit den vorgegebenen. Für die Textunsicheren läuft unten hervorgehoben der Text mit, und zwar oben die aktuell zu singende Zeile und darunter die dann folgende. Kleiner Tip: man kann auch einfach ohne Text summen oder Lalala singen – entscheidend ist der getroffene Ton. Je besser und öfter man die Töne trifft, desto mehr Punkte gibt es, welche am Ende der Zeile angezeigt werden. Ist die Zeile zu Ende, gibt es einen Phrasenbonus à la „mies“ oder auch „cool“. Je nach Songdatei können auch sogenannte goldene Töne dabei sein. Diese Töne sind mit Sternchen gekennzeichnet und geben, wenn man sie denn trifft, einen Extra-Bonus. Ist man dann fertig kommt man zur Auswertung seiner Sangesleistung.

Auswertung

Neben den erreichten Punkten und einer Verbaleinschätzung erfolgt bei mehreren Sängern auch ein Vergleich.

Das war alles ganz witzig und hat auch viel Spaß gemacht. Als echter Knüller hat sich dann aber die Funktion „Party“ erwiesen.

Party-Mode

Hier kann man mehrere Teams zusammenstellen (auch mit unterschiedlicher Sängeranzahl) sowie eine Rundenzahl und den Schwierigkeitsgrad festlegen. Weiter wählt man beim Playlist-Modus den Umfang der zum Wettstreit zugelassenen Songs aus. Dann geht es los und den Teams wird ein zufälliger Song und ein Singmodus präsentiert. Der Singmodus kann z.B. einfach das Erreichen der höchsten Punktzahl durch je ein Teammitglied (wird ebenfalls zufällig ausgewählt) sein oder auch das Absingen des Songs, wobei das Mikro im Team auf Kommando weitergerreicht werden kann. Es gibt weitere Modi und man kann die Auswahl durch Hinzufügen von Plugins erweitern. So ist dem Singespaß kaum mehr eine Grenze gesetzt.

In den Einstellungen kann man UltraStar noch vielfältig anpassen. Das reicht von verschiedenen Skins über die Darstellung der Phrasenboni und des Lauftextes bis zur erwähnten Titelsortierung, um nur einige Einstellungen zu nennen. Hier konfiguriert man auch die Anzahl der Mikros respektive Sänger. Dazu muß man natürlich die entsprechende Anzahl Mikros an seinem Rechner angeschlossen haben. Am einfachsten geht es sicher mit einer oder mehreren zusätzlichen USB-Soundkarten (so hatte ich es gemacht). Erfolgreich getestet wurde aber auch schon der Anschluß des original SingStar Mikro-Sets – kabellos oder mit Kabel – per USB. Das Teil gibt es z.B. wireless für ca. 45 Euro bei Amazon und wird wohl meine nächste Anschaffung sein. Ein Beamer bzw. schön großer Monitor und eine kleine Musikanlage, Gettoblaster oder ein vernünftiges Aktivboxenset vervollständigen neben dem Rechner die zum Singespaß nötige Hardware.

Weiter findet man bei den Einstellungen noch allerlei lustige Statistiken, wie die Häufikeit des Absingens eines Songs oder auch Toplisten der Sänger.

[youtube uvBSeme34bE]

Soviel vielleicht zum UltraStar an sich. Erwähnen wollte ich zum Schluß aber auf jeden Fall noch das wirklich gute deutsche Forum zu UltraStar, in dem man sehr detaillierte Hilfe und Anleitung zum Thema bekommt, aber auch Hinweise und Downloads vieler nützlicher Werkzeuge rund um UltraStar. Auch etliche der bereits erwähnten Plugins lassen sich hier finden.

An Zusatztools kann ich unbedingt den UltraStar Manager empfehlen, mit dem man seine Songsammlung inklusive der Bilder und Videos vernünftig verwalten kann, denn das Editieren der Songdateien von Hand wird bei großen Sammlungen schnell mühselig. Hat man seine MP3s mit vernünftigen ID3-Tags versehen, kann man hier daraus sogar UltraStar-Tags und einheitliche Datei- und Ordnernamen generieren.

Darüber hinaus findet Ihr im Forum Werkzeuge zum Erstellen der Playlisten, die ebenfalls zu empfehlen sind.

Mir und auch meinen Gästen hat UltraStar einen riesen Spaß gemacht und für eine tolle Fête gesorgt, was selbst die eingefleischten Karaoke-Skeptiker – zu denen ich mich im übrigen selbst zähl(t)e – überzeugt hat. Ich kann es allen, die gern gesellig singen, nur empfehlen.

LINKS
http://ultrastardx.sourceforge.net/
http://forum.ultra-star.de/
http://sourceforge.net/projects/uman/

5 Kommentare

  1. Ultrastar kenne ich schon sehr lange, die älteste Version an die ich mich erinnere ist die 0.3.0 der Original Veresion oder was 0.3.1… . Naja, aufjedenfall bin ich immernoch aktiv und das Spielen macht immernoch eine Menge Spaß.

  2. Wow! Danke für den Tip!
    Kannte nur den Guitar Hero-Klon Frets on Fire und der hat mich nie wirklich von den Socken gehauen, aber UltraStar ist ja genial!

    Die Aufmachung ist einfach klasse und funktionieren tuts soweit ich das sehe auch wie es soll.

    Ich versuche mal ne vernünftige Bibliothek aufzubauen.

    Leider gibts den UltraStar Manager nicht für Mac? Habe keinen Download gefunden, nur source oder für Windows..

  3. @Sonix: oh sorry, ich bin zugegebenermaßen eingefleischter Windowsnutzer und kenne Mac nur von Oli ;)
    Ich hatte auf der UltraStar Seite nur rechts unten den Mac-Link gesehen. Bei genauerer Betrachtung entpuppt er sich ja als Source und Snapshot-Version. Hast Du die schon probiert? Soll ja zumindest das Singen gehen. Dem Lesen nach hakt es wohl nur am Party-Modus und bei der Mikro-Konfiguration. Zum Alleinsingen wäre es sicher einen Test wert.

  4. @Oliver: Jaaaa, noch (!) ist ja Sommer, aber ich sehe schon, daß es wohl eher wieder ein über’s Knie gebrochenes „gerade-noch-so-Herbstfest“ kurz vor der Weihnachtsfeier wird ;)