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Blackout – alles nur geträumt

Schweißgebadet wache ich nun schon die dritte Nacht hintereinander auf. Was ich geträumt habe, muß mich bewegt haben. Am Ende immer mit dem gleichen Ausgang. Dunkelheit. Finsternis. Einsamkeit. Ein Gefühl, als wenn man den Netzstecker am Notebook vergessen hat und es plötzlich schwarz wird, aber ohne Vorwarnung.

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Doch fangen wir am Anfang an. Machen wir die Augen zu und versuchen uns 20 oder besser noch 30 Jahre in die Zukunft zu versetzen. In eine Welt in der der „Vernetzungszismus“ seinen Höhepunkt erreicht hat. Handys besitzt heutzutage kein Mensch mehr. Durchgesetzt haben sich die Gehirnimplantate mit der direkten Anbindung an das 8G Netzwerk. Offline ist auch eines dieser alten Worte. Die letzten Skeptiker oder Kritiker der längst vergangenen Tage sind ausgestorben bzw. die heutigen grössten Verfechter unser neuen Lebensweisen. Immer Online. Tag und Nacht. Wissenschaftler haben entdeckt, dass wir Menschen auch im Schlaf gewisse bisher ungenutzte Kapazitäten dem globalen Prozessorkern bereitstellen können. Alle sozialen Netzwerke sind vereinheitlicht worden. Schnittstellen braucht kein Mensch mehr, es gibt nur noch – das Netz.

Und in diesem selbstsicheren Moment ohne Zweifel an dem, wie wir leben, zieht jemand den großen Stecker. Wie, weiß ich auch nicht. Träume sind leider nicht oft wissenschaftlich korrekt und logisch schon gar nicht. Doch hier beginnt sie, die große Finsternis und die damit verbundenen Frage: Was nun? Wie würde die Menschheit in so einem Augenblick reagieren? Wie würde ich reagieren? Kommunikation funktionierte bisher nur online, ausschliesslich online. Ohne doppelten Boden. Ohne Fallnetz. Ohne jegliche Offline-Absicherung. Komisch diese Vorstellung, denn Backup, Mirrors, ausfallsichere Systeme gehörten seit jeher zu den Grundlagen der modernen IT. Wird es wirklich eine Zeit geben, in der wir vergessen werden, wie man vor dem Netz kommuniziert hat? Sind wir noch weit davon entfernt? Wie abhängig sind wir von Technik und Vernetzung?

Gruselige Vorstellung? Utopie? Science Fiction?

In diesem Moment wache ich auf, greife zum iPhone, checke Facebook und setze die erste Statusmeldung bei Twitter ab. Die Welt ist noch in Ordnung.

Autor: Oliver

Ich bin Oliver und habe den aptgetupdateDE Blog im Juli 2007 aus der Taufe gehoben. Man findet mich auch auf Twitter.

11 Kommentare

  1. Ohne das Menschliche beleuchten zu können/wollen: stell dir vor, der Strom wäre weg. Oder „nur“ das Internet. Dann ist mal wieder Steinzeit angesagt für viele. Schlimmer finde ich bereits, dass ich schon eine schlechtere Handschrift bekommen habe und mich oft dabei ertappe, einfache Rechenaufgaben schwerer im Kopf lösen zu können usw…

  2. @caschy
    sehr guter Punkt … erkenne ich so teilweise bei mir leider auch – gerade ‚calc‘ ist ein tolles Beispiel.

  3. ja das ist wohl wahr und die Vorstellung lässt sich wahrscheinlich noch auf viele alltägliche Sachen ausweiten

  4. Ob man auf diese Dinge angewiesen ist, ist abhängig davon, wie sehr man das bei sich selbst zulässt, finde ich. Wäre es wirklich so schrecklich ohne?

  5. unheimliche vorstellung. ich glaube es wird aber irgendwann eine revolution gegen die technik geben und ein neues zeitalter.

  6. Hat was von SkyNet.. :)
    Naja, bin zum Glück noch weit entfernt mich nur noch übers Netz zu unterhalten.
    Ein Gespräch unter 4 Augen oder ein Abend mit Freunden kann kein Onlinemedium ersetzen.
    Und Handschrift ist eine persönlicher Aspekt. Hier liegt noch ein alter Füller (mit eintauchen in Tinte usw) und wird alle 2 Tage egenutzt meinen „Offline Blog“ zu füllen.
    Und Rechnen tue ich gerne, da brauch ich kein Calc :)

    Wenn ich aber einen Kollegen von mir sehe sehe ich auch das krasse gegenteil. Seit er das iPhone hat ist er nur noch online, spricht schon in der „Computer Sprache“ lol, wtf usw. und ist schockiert wenn mal 5 Minuten kein Empfang für UMTS da ist…

  7. @stbn: Richtig. Einfach mal beim Einkauf versuchen, die Gesamtsumme vor dem Kassierer zu errechnen, kann dem Hirn genauso wieder ein bißchen auf die Sprünge helfen wie das tägliche Sudoku. Im Alter machen sich solche Kleinigkeiten definitiv bemerkbar..

    Bzgl. Artikel: Schön geschrieben, Oli. Momentan schaut noch jeder halbwegs quer, wenn man von Implantaten und Cyborgs spricht. Aber daß es darauf hinauslaufen wird, ist eigentlich nicht abzustreiten, IMHO.. Das „Netz“ wird immer wichtiger, leider. Ein Grund mehr, sich kritisch mit dem Fortschritt auseinanderzusetzen und die Technik zu verstehen.

  8. @speaker: Das Errechnen der Gesamtsumme mache ich tatsächlich regelmäßig, aber das stempelt mich wahrscheinlich schon wieder als Nerd ab…