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Amazon Kindle – der iPod unter den eBook-Readern

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Seit ein paar Wochen teste ich nun schon den Amazon Kindle und ich möchte in diesem Artikel mal kurz darlegen, was ich von diesem Gerät halte.

Getestet habe ich die internationale Version, also mit 6 Zoll E Ink Display und eingebauter 3G UMTS Karte. Das Gerät selbst hinterläßt einen sehr hochwertigen Eindruck. Auf der Vorderseite ist schneeweißes (Macbook-)Plastik verbaut und die Rückseite besteht fast komplett aus Metall. Daher wahrscheinlich auch der hochwertige Eindruck, wenn man das Gerät das erste Mal in die Hände nimmt. Mit 300 g ist es angenehm schwer und es liegt nahezu perfekt in der Hand zum entspannten Lesen. Mit 9,1 mm ist es sehr dünn, aber dennoch sehr biegesteif.

Display, Akku, Wertigkeit

Ich bin bisher kaum mit solchen Displays in Berührung gekommen. Ich hatte mir mal die Sony eBook Reader angesehen, aber ansonsten bin ich eher beim digitalen Konsumieren von Texten an normalen Displays gewöhnt. Und der Unterschied ist schon gewaltig. Das Gefühl ein normales Buch auf Papier zu lesen, kommt dem E Ink Display schon sehr nahe. Ich fand aber die Tatsache, dass ein elektronisches Gerät keine Hintergrundbeleuchtung hat, anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, aber so ist das ja auch bei normalen Büchern.

Die Schrift ist scharf und sehr gut lesbar. Auch nach Stunden Lesen taten mir die Augen nicht weh bzw. zeigten einfach nicht so die Ermüdungserscheinungen wie bei TFT Displays. Interessant finde ich Tatsache, dass wenn eine Seite dargestellt ist, in diesem Moment kein Strom mehr verbraucht wird. So bleibt auf dem Display auch immer ein Bild erhalten, wenn man das Gerät in den Ruheschlaf schickt.

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Schaltet man das Gerät aus dem Schlafzustand an, braucht es ungefähr 1 Sekunde zum Wachwerden. Auch das Umschalten der Seiten geht angenehm schnell. Das Display flackert einmal kurz schwarz auf und schaltet dann sofort um. Die Umschaltzeit der E Ink Display ist wohl eines der Qualitätsunterschiede der derzeitigen Reader auf dem Markt. Einen direkten Vergleich zu anderen Displays konnte ich aber leider nicht herstellen. Ich fand das des Kindles aber doch sehr brauchbar.

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Ich habe das neue Gerät jetzt in 2 Wochen einmal aufladen müssen. Schaut man sich mal andere Geräte wie Handys oder Notebooks an, wirkt es wie eine gefühlte Ewigkeit.

Der iPod unter den eBook-Readern

Die Überschrift ist, ich gebe es zu, ein wenig reißerisch gewählt, aber der Vergleich hingt meiner Meinung gar nicht so weit hinterher. Und zwar aus folgenden Gründen. Der AmazonKindle ist wie auch Apples iPod ein komplett durchdachtes und in sich geschlossenes Biotop. Auch wenn bei Musik und dem iTunes Store DRM jetzt kein Thema mehr ist, ist DRM nach wie vor, ja wie auch auf dem Kindle allgegenwärtig. Das Gerät hat durchaus seinen Charme und es ist wie auch anfangs der iPod nur für einen Zweck entwickelt worden.

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Mit dem Kindle und dem Amazon Store bekommt man ein riesiges Angebot an Literatur, Zeitungen oder Magazinen direkt auf dem Kindle geliefert. Gekauft wird ganz normal über den konfigurierten Amazon Account und den zur Verfügung stehenden normalen Bezahlmöglichkeiten. Man fühlt sich eigentlich sofort wie auch im iTunesStore gut aufgehoben und gibt hier gerne sein Geld aus bzw. kommt es einem so vor. Bücher kann man immer anlesen, man bekommt meistens ein oder mehrere Kapitel gratis zum Probe-Lesen. Die gekauften Bücher kann man dann auch auf andere Geräte wie dem iPhone/iPod Touch oder einem PC mit Kindle-Software synchronisieren und auch dort lesen.

Wie auch der Apple sein iPod-Angebot Stück für Stück ausgeweitet und verbessert hat, wird auch Amazon seinen Kindle konsequent weiterentwickeln. Bedenkt man, dass Amazon zu Weihnachten in Amerika mehr Kindle-E-Books als richtige Bücher verkauft hat, dann kann man nur erahnen, wo die Reise hingeht.

Immer am Netz

Dieses Feature ist wohl einmalig und macht auch den ganz besonderen Reiz dieses Angebotes aus. Die eingebaute UMTS Karte loggt sich automatisch in ein vorhandenes 3G Netzwerk ein und synchronisiert automatisch die gekauften Medien aus dem AmazonStore direkt mit dem Kindle. Ich hatte die ganze Zeit super Empfang und normale Bücher wurden in ca. 60 Sekunden auf das Gerät geladen.

Das Angebot für den deutschen Kunden

Hier muss man ganz klar feststellen, wer lieber deutsche Bücher liest und keine englischsprachige Literatur bevorzugt, für den ist dieses Angebot noch überhaupt nicht zu empfehlen, denn man bekommt, außer aktuelle Zeitungen (FAZ und Handelsblatt) keine deutschsprachigen Texte geboten. Liebt man aber englische Bücher kann man aus über 300.000 Büchern wählen. Zeitungen und Magazine in verschiedenen Sprachen runden das Angebot ab.

Der mitgelieferte Netzstecker passt nicht in deutsche Steckdosen. Zum Aufladen kann man einfach das mitgelieferte USB-Kabel mit einem Computer verbinden oder man kauft sich für ca. 8€ ein passendes Netzteil (220V Netzteil).

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Im Kindle wird unter einem experimentellen Status ein Browser, ein MP3 Player und ein Text-to-Speech Player mitgeliefert. Im Browser kann man auf vordefinierte Bookmarks zugreifen. Deutsche Seiten surft man mit Hinweis auf lokale Begebenheiten vergebens an. Mit dem MP3 Player kann man MP3s oder Podcasts beim Lesen hören. Dazu muss man den Kindle mit USB mit seinem Rechner verbinden und die Audiomedien auf das Gerät kopieren. Mit dem Text-to-Speech Feature kann man mittels Tastenkombination im Text sich diesen vorlesen lassen. Die Stimme fand ich recht gut umgesetzt.

Fazit

Schickes, kleines Gerät mit viel Potential. Die Kombination aus dem angebauten Store und dem Gerät ist sehr Apple-typisch. Es wird viele Leute geben, die sich gerne auf so eine Rosawolke-Wohlfühl-Lösung einlassen wollen und werden, aber auch andere, die dieses Korzet aus Store und Gerät einfach zu eng finden.

Links
http://www.amazon.com/gp/product/B0015T963C?amp%3Brw%5Fabsolute=y


Autor: Oliver

Ich bin Oliver und habe den aptgetupdateDE Blog im Juli 2007 aus der Taufe gehoben. Man findet mich auch auf Twitter.

22 Kommentare

  1. XNuclearWinterX

    27.12.09, 15:02, #1

    Wie habe ich das mit dem eingebauten 3G denn zu verstehen ist dort eine Simkarte nach wahl notwendig oder hat Amazon einen Roamingvertrag mit bestimmten anbietern abgeschlossen und dies ist im Preis bereits inbegriffen?

  2. Bedenkt man, dass Amazon zu Weihnachten in Amerika mehr Kindles als Bücher verkauft hat, dann kann man nur erahnen, wo die Reise hingeht.

    Mehr Kindles als Bücher? Unwahrscheinlich, vermutlich hast Du etwas falsch verstanden …

  3. Wie habe ich das mit dem eingebauten 3G denn zu verstehen ist dort eine Simkarte nach wahl notwendig oder hat Amazon einen Roamingvertrag mit bestimmten anbietern abgeschlossen und dies ist im Preis bereits inbegriffen?

    Datenübertragung per Mobilfunk ist fest integriert und im Preis inbegriffen – jedenfalls für das notwendige Minimum an Datenübertragung. Für weitere übertragene Daten muss man bezahlen.

  4. XNuclearWinterX

    27.12.09, 15:33, #4

    D.h. wenn man den Brwoser nutzen wil zahlt man beim Buchdownload nicht?

    @mds:
    Jo hat er es sei denn er meinte mit Kindles die EBooks ^^

  5. Meine KO-Kriterien beim Kindle sind der Preis und die Verachtung zum offenen eBook-Standard EPUB.

  6. Danke Oliver!
    War schon lange am zweifeln, aber nach dem lesen dieses Artikels, welchen ich auf dem iPhone gelesen habe, hab ich mir den Kindle direkt bestellt (auch auf dem iPhone) :)
    thx! ^^

  7. @XNuclearWinterX: nein, laut Amazon fallen keine verstecken Gebühren für Daten an, das Roaming läuft über AT&A, so weit ich das richtig verstanden habe

    siehe Amazonverkaufstext: „…Free 3G wireless lets you download books right from your Kindle. No monthly fees, service plans, or hunting for Wi-Fi hotspots. For non-U.S. customers, there are also no additional charges for wireless delivery in or outside your home country. …“

  8. Wow, Bilder sehen schonmal sehr gut aus. Aber wäre momentan noch nichts für mich mangels Deutschen Büchern.

    Man darf gespannt sein, ob Apple mit dem Tablet auch diese Sparte angreifen möchte..

  9. Hört sich echt spitze an. Aber trozdem muss ich warten lesen zwar ab und zu ein englisches Buch aber ohne deutsche Bücher muss ich mich dann doch noch gedulden.

  10. Pingback: Amazon: In den USA war das ChristKindle da | Basic Thinking Blog

  11. Bzgl. des Angebots an Magazinen (hast du ja durchaus hervorgehoben) sollte noch erwähnt werden, dass dt. Kindle-Nutzer hier der Bilder „beraubt“ werden. Im Verbund mit den deftigen Aufschlägen von teilweise rund 100% zum US-Preis (Bsp. FAZ: 15 US-Dollar vs. 28 US-Dollar) sind Zeitungen & Zeitschriften damit ansich kaum eine lohnende Investition.

    Wirklich schöne Fotografien, btw.

    Ciao
    Johannes

  12. Allerdings, schöne Fotos.
    Das Gerät ist sehr verlockend, ist es richtig, daß man keine eigenen Ebooks oder sonstige Textdateien drauf bekommt? Ich werde wohl bald einen Txtr ausprobieren können, aber das Kindle sieht einfach schöner aus.

  13. Hmm, ich weiß nicht. Noch mehr Geek-Gadgets? Worin liegt aktuell der Vorteil von eBooks im Gegensatz zu Büchern bzw. dem oft eh schon vorhandenen Note-/Netbook/PDA/iPhone/… ?
    Ich soll für das Kindle 300 Euro ausgeben, bekomme wenige, bis gar keine deutschen Bücher und diese sind dann auch noch gleich teuer, wie die Papiervariante? Also außer, dass ich nicht das Gewicht von mehreren Büchern auf Reisen mitschleppen muss, sehe ich (noch) keine Zukunft für das Gerät. Nichts, was ich nicht unterwegs auf dem Macbook lesen könnte und – seien wir ehrlich: ich nehme doch nicht direkt eine ganze Bibliothek mit auf Reisen.
    Kindle und andere eBooks sollen IMHO auf unterschiedliche proprietäre Formate setzen. Damit sind andere Unternehmen schon baden gegangen. Ein Buch kann ich ausleihen, weiter verkaufen oder verschenken. Es wird niemals abstürzen oder mich wegen Strommangels im Stich lassen…
    Ich weiß, ich bete die üblichen Argumente herunter aber es ist, wie mit dem papierlosen Büro – auch das ist niemals Realität geworden (eher das Gegenteil).
    Man könnte jetzt vielleicht noch argumentieren, dass für Bücher Bäume gefällt werden müssen – aber die CO2 Bilanz der eBook-Reader und deren anschließende Entsorgung macht mir da aktuell etwas mehr Kopfzerbrechen als ein schnell nachwachsender Rohstoff (aka Holz)…
    Just my 2 Cents

  14. Hi
    @janina wenn du den Txtr dann mal in der Hand hattest wäre es cool wenn du nochmal was dazu berichten könntest, ich weiß ja nicht ob du auch ne eigene Seite hast!?!

  15. Zur Frage mit PDFs: die kann man einfach auf das Gerät per USB kopieren. Wurden in meinen Test auch alle korrekt inkl. Bilder dargestellt. Die Schriftgrössen lassen sich bei PDFs aber leider nicht vergrössern, wie bei AmazonBüchern. Man kann die Dokumente aber längs drehen, dann ist die Schrift grösser.

  16. @Kev: Ich habe heute mal nachgefragt, meine Freundin meinte, es wird wohl doch ein Pocketbook 302. Das Txtr kommt und kommt nicht, WLAN wurde gestrichen, etc. – wenn’s so weitergeht, kommt es zu spät raus und wird ein Flop.
    Ein Kindle ohne Tastatur, auf das ich draufspielen kann was ich will, das wär’s. ;)

  17. @Janina: Ja genau sowas such ich auch :D darum dachte ich das der Txtr das richtige wäre, schade das er nicht ausgeliefert wird…

  18. @Martin: sorry das ich bisher noch nicht auf deinen ausführlichen Kommentar eingegangen bin

    Ich muss sagen, du hast natürlich in vielen Punkten recht. Ich sehe aber den derzeitigen Vorteil von den E Ink Readern vorallem im Display und der daraus folgenden sehr langen Akkulaufzeit. Wir mit unserem immer aufgeladenen Notebooks und Smartphones sind vielleicht auch nicht unbedingt das richtige Publikum.