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Tutorial: Deskmodding auf dem Mac

Einleitung

Dieser Artikel wird wahrscheinlich noch lang genug, also erspare ich Euch das Für und Wider des Deskmoddings. Die Diskussion wurde oft genug geführt, Stammtischargumente langeweilen da nur. Die gesparte Luft investiere ich lieber gleich in den Text.

Deskmodding auf dem Mac ist kein Hexenwerk. Prinzipiell schlummern — im Gegensatz zu Windows — die meisten interessanten Elemente oft im praktischen Bildformat in einem Ordner und warten nur darauf bearbeitet bzw. ersetzt zu werden. In diesem Artikel gehe ich schnell die wichtigsten veränderbaren Elemente durch, wobei triviale Dinge wie Hintergrundbild und Systemklänge nicht angesprochen werden.

Ich finde es wichtig, dass man versteht, was da gemacht wird. Bildbearbeitungskenntnisse sind nicht zwingend erforderlich, da es genügend Downloads gibt, mit denen man das Gewünschte einfach ersetzen kann. Angeben werde ich dafür folgendes:

  • Pfad (Dateiformat)

So weit es geht, erläutere ich manuelle Methoden ohne Drittprogramme. Man sollte schon wissen, was man tut. Trotzdem sind solche Tools fürs regelmäßige Modding natürlich bequemer und werden später vorgestellt, ebenso Bezugsquellen für die erwähnten Downloads. Mein persönliches Setup folgt am Schluss.

Wichtig: Backups anlegen, bevor man rumbastelt! Alles auf eigene Gefahr!
Apps aus dem App Store sind digital signiert und sollten nicht verändert werden!

Menüleiste

Die Symbole der Menüleiste lassen sich in 2 Typen unterteilen, die an unterschiedlichen Stellen liegen:

  • Systemdienste /System/Library/CoreServices/Menu Extras (*.menu)
  • Apps /Programme/EinProgramm.app/Contents/Resources/ (*.png)

Bei Apps muss man einfach die entsprechende Grafik ausmachen, ersetzen und das Programm neu starten. Das muss bei jedem Update wiederholt werden, also sichert die Dateien ruhig.
Systemdienste verhalten sich etwas kniffliger: Grafik löschen, Ersatz einfügen, bloß nichts mehr in der Menübar anklicken, Mac neu starten. Häufig liegt ein Installer bei. Ich achte auf ein einheitliches, funktionales Aussehen — die Deutschlandflagge kommt mir beispielsweise nicht dahin.

Dock

Man finde und ersetze die scurve-*.png, frontline.png und indicator_*.png Dateien:

  • System/Library/CoreServices/Dock.app/Contents/Resources/ (*.png)

Dock-Symbole / Programmsymbole

Auch hier muss man zwischen systemeigenen, vorinstallierten und nachträglich installierten Apps unterscheiden. Bei ersteren liegen die Icons etwas tiefer versteckt:

  • Systemprogramme System/Library/CoreServices/Dock.app/Contents/Resources/ (z.B. Finder.png)
  • eigene Programme /Programme/EinProgramm.app/Contents/Resources/ (*.icns)
Sollten Änderungen nicht sofort wirksam werden, genügt meistens der Terminal-Befehl killall Dock oder Ab- und wieder Anmelden. Statt die Dateien zu ersetzen, kann man auch auf die gute alte Copy & Paste Methode zurückgreifen.

Programmelemente

Bei Programmelementen verhält es sich ähnlich mit dem Unterschied, dass die gesuchten Elemente manchmal nicht mit bloßem Auge zu erkennen sind.

  • eigene Programme /Programme/EinProgramm.app/Contents/Resources/ (Diverse Formate)
Bitte macht einen großen Bogen um Apps aus dem Mac App Store. Die sind digital signiert und reagieren auf Änderungen meistens mit Fehlern in der Updateroutine.

Systemelemente

Hier wirds sehr vielschichtig. Alles manuell zu machen ist sehr zeitintensiv und lohnt den Aufwand nicht, daher nutzt man am besten ein Hilfsprogamm.

Hilfsprogramme fürs Deskmodding

Mit ThemePark (kostenlos) lassen sich Systemelemente bequem bearbeiten. Änderungen können bequem im *.LeopardTheme Format exportiert werden, sodass es eine Fülle an vorgefertigen Themes gibt (siehe Quellen). Die „aktuellste“ Version 4.1 funktioniert jedoch nur unter Snow Leopard. Man liest, dass Version 3.1 mit maximiertem Fenster unter Lion läuft, sollte das jedoch mit äußerster Vorsicht genießen.

CandyBar ($29) kann Programmsymbole und das Dock per Klick verändern. Der hohe Preis rechtfertigt sich durch eine sehr saubere Programmierung, einen sinnvollen Aufbau und die eingebaute Bibliothek zur Verwaltung aller gesammelten Ressourcen.
Kostenlose Alternativen sind LiteIcon oder iCondubber. Ersteres hat keine eingebaute Bibliothek und kann lediglich Symbole ersetzen, Zweiteres versucht eine Kombination aus ThemePark und CandyBar zu sein, hat jedoch einen eher unübersichtlichen Programmaufbau. Für den Gelegenheitsmodder reicht das völlig, zumal man unter Lion auch eine funktionierende Alternative zu ThemePark hat.

GeekTool (kostenlos) blendet frei gestaltbare Widgets auf dem Desktop ein. Vom Datum bis hin zum Systemstatus ist alles möglich.

Bowtie ist eine iTunes (Desktop-)Fernbedienung mit sehr vielen verfügbaren Themes. Kann zu last.fm scrobbeln.

Growl (1,59 €) blendet viele Programm- und Systembenachrichtigungen ein. Unterstützt ebenfalls Themes. Version 1.22 gibts noch für Umme. Brotip: Probiert mal den HardwareGrowler (1,59 €) aus!

Quellen

Primärquellen

Es gibt ganze Foren, die sich dem Modding von Apple-Produkten widmen. Die beiden wohl bekanntesten Vertreter sind MacThemes und Macristocracy. Auch in Kreatiknetzwerken wie deviantART oder Dribbble wird man zuweilen fündig. Wer sich näher in die Materie einlesen oder sogar selbst tätig werden möchte, sollte dort anfangen.

Sammlungen

Wem es zu lästig ist, jede Primärquelle einzeln anzulaufen, kann auf die Kompetenz einiger Nerds zurückgreifen, die tatsächlich Spaß daran haben Linksammlungen zu empfehlenswerten Kreationen anzulegen. IconpaperWe Love Icons oder Your Way To Customize Your OS lassen keine Wünsche offen und sind bequem zu durchsuchen.

Inspiration

Manchmal steht man einfach auf dem Schlauch und möchte sich von anderen inspirieren lassen. Die Screenshot-Threads der Primärquellen (MTdA) oder das Blog Digitalvanity versprechen hier Abhilfe.

Mein (minimalistisches) Setup

Ich persönlich denke, dass es sich besser lohnen sollte, wenn man Zeit in sowas investiert. Auf der einen Seite steht natürlich der ästhetische Faktor. Da OS X bereits von Haus aus ziemlich tofte aussieht, werden nur kleine Veränderungen vorgenommen, eine etwas mattere Systemoptik oder stiltechnisch einheitliche Menubar beispielsweise. Das kleine Dock und der leere Schreibtisch sehen nicht nur schöner aus, sondern erzwingen auch die Nutzung eines Launchers, wie Alfred. Bevor ich neue Programme in die Menubar lege, wird der Nutzen kritisch hinterfragt.

In a nutshell: Minimalistisches Setup, bedeutet in erster Linie nicht nur die Ästhetik, sondern gleichzeitig auch die Umgangsweise mit dem Mac anzupassen: So wenig wie möglich, soviel wie nötig. Im besten Fall ressourcenschonend, effektiv UND was fürs Auge. Deshalb kommen mir Sachen wie GeekTool auch nicht ins Haus. Nicht, dass es sehr viel RAM in Beschlag nimmt, aber sehe meinen Schreibtisch ohnehin nie, da lohnt sich auch kein halbes MB.

LINKS

ThemePark — geekspiff.com/software/themepark
CandyBar — panic.com/candybar
LiteIcon — freemacsoft.net
iCondubber — icondubber.blogspot.com
GeekTool — projects.tynsoe.org/en/geektool
Bowtie — bowtieapp.com
Growl & HardwareGrowler — growl.info/downloads

Fehler gefunden? Fragen? Anregungen? Screenshot Eures Desktops? Ab in die Kommentare!

Autor: Stefan D.

Ich bin Stefan, Student einer Naturwissenschaft und nebenbei als Grafiker an meiner Uni tätig. Mit der Zeit bin ich etwas Dienst-sparsamer geworden, aber nach wie vor über die gute alte Mail erreichbar.

7 Kommentare

  1. Sieht echt gut aus. Schlicht, aber schön.

    Wie hast du es denn hinbekommen, dass man im Finder Tabs hat? Oder ist es einfach Pathfinder?

  2. Pingback: Minimalistische App Icons für den Mac | aptgetupdateDE