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Warum skeuomorphes Design keine Probleme löst (Update)

Definition

Zugegeben, ich musste eine Weile wühlen bis ich diesen Begriff überhaupt fand, der nicht mal eine deutsche Wikipedia-Seite besitzt. Skeuomorphismen sind Elemente, die vertraute Assoziationen wecken, darüber hinaus aber keine weitere Funktion besitzen. Ein ziemlich prominentes wäre beispielsweise die optische Veränderung des Kalenderprogramms iCal von Snow Leopard zu Lion:

Ein Beispiel

An der Funktionalität selbst hat sich offenkundig wenig getan, im neuen iCal Fenster prangt nun jedoch ein Lederbalken. Technisch weniger versierte Nutzer sollen an das vertraute, physische Pendant eines Kalenders erinnert werden und sich so intuitiver zurechtfinden — so lautet zumindest die Theorie vieler Befürworter.

Bei näherer Betrachtung der Oberfläche fällt auf, dass die Position der meisten Funktionen sich nicht geändert hat. Es gibt keinen objektiven Grund, warum die Lederversion sich einfacher bedienen lassen sollte, allerdings einen subjektiven. Man glaubt, dass es sich einfacher bedienen lässt, was die Designabteilung aus Cupertino sich derzeit wohl auf die Fahne geschrieben hat, wenn ich mir die Mountain Lion Optik so ansehe. Logischer- und gleichzeitig absurderweise gilt das nur für Apps (z.B. Reminders, Notes), welche auch ein physisches Pendant haben.

Wenn Grenzen überschritten werden…

Was Apple und andere Firmen hier treiben ist in meinen Augen Kitsch und Überfrachtung vom allerfeinsten. Sich an physischen Vorlagen zu orientieren birgt die Gefahr die Vorteile eines Computers zu verlieren. Statt hier auf eine einfache, funktionsbezogene Bedienbarkeit zu setzen, verkompliziert man unter Umständen die Nutzeroberfläche, nur um eine gewisse Ähnlichkeit zur physischen Vorlage zu wahren. Einfachheit > Skeuomorphismus

Gleichzeitig wird die Optik verschiedener Programme so sehr fragmentiert, dass eine intuitive Übertragung eines Bedienungsmusters von Programm A auf Programm B wesentlich schwerer ist als zuvor. Konsistenz > Skeuomorphismus

Man könnte sich fragen, ob Lederbalken prinzipiell nicht halb so wild seien, ob mein Schlichtheitsfimmel nicht zu weit geht. Skeuomorphismen haben meines Erachtens sicher ihren Sinn. Es gilt leider (wie übrigens für fast alle Dinge im Leben) „soviel wie nötig, so wenig wie möglich“ — eine Grenze, die leider zu oft überschritten wird. Auch in diesem Fall. Das liegt meistens nicht an den Designern (die ganze Arbeit leisten), sondern am Konsumenten. Beim 08/15-Nutzer kommt skeuomorphe Gestaltung nämlich prächtig an. Aus Gründen. Viele Konsumenten > wenige Nerds, was zugegebenermaßen alle von mir angeführten Argumente ziemlich klein dastehen lässt.

Es bleibt zu hoffen, dass sich der Prozess in einigen Jahren wandelt, wenn ein Großteil der Kundschaft äquivalent mit digitalen und analogen Medien aufgewachsen ist und nicht mehr mit der Benutzerschnittstelle sozialisiert werden muss. Diese ganze Ledergeschichte kann gebürstetem Metall gerne in die Versenkung folgen. Übrigens: Microsoft geht schon heute mit Metro einen gar nicht so schlechten Weg.

Skeumorphes Design kann dezent eingesetzt durchaus nützen, es löst jedoch keine Bedienungsprobleme, sondern schafft eher welche. Logisches, sauberes und konsistentes Programmdesign nach klaren Richtlinien funktionierte besser, funktioniert besser und wird immer besser funktionieren. „Style is how it looks, but Design is how it works.“

Nachtrag (19.02.12)

Ich wollte den Artikel eigentlich möglichst präzise halten um TLDR zu vermeiden, womit ich an einigen Stellen kläglich gescheitert bin. Danke an die kritischen Kommentare! Daher möchte ich ein paar wesentliche Punkte nochmal ergänzen:

  • Ich kritisiere hier ein Detail, was nicht bedeutet, dass an anderen Stellen kein begrüßenswerter Fortschritt stattfindet — manchmal sogar parallel an derselben Anwendung bzw. Stelle. Außerdem war nicht „früher alles besser“.
  • Ich kritisiere hier hauptsächlich skeuomorphe Designelemente, nicht Skeuomorphismen an sich. Beispiel für skeuomorphes Design: Das Adressbuch wie ein Buch aussehen zu lassen. Beispiel für einen Skeuomorphismus: Der Papierkorb. Es gibt für genügend Positiv- und Negativbeispiele.
  • Gutes Softwaredesign bedeutet eine gesunde Mischung aus Funktionalität, Einfachheit, Konsistenz UND Skeuomorphismen zu finden (Priorität in dieser Reihenfolge). Ich kritisiere skeuomorphe Elemente, die eindeutig über eine gesunde Mischung hinaus schießen.
  • iCal ist nur ein Beispiel für skeuomorphes Design. Das bedeutet nicht, dass alle nachfolgend angeführten Argumente zwingend alle auf iCal zutreffen müssten, um gültig zu sein. Das Adressbuch hätte vielleicht mehr meiner Argumente abgedeckt.

Autor: Stefan D.

Ich bin Stefan, Student einer Naturwissenschaft und nebenbei als Grafiker an meiner Uni tätig. Mit der Zeit bin ich etwas Dienst-sparsamer geworden, aber nach wie vor über die gute alte Mail erreichbar.

39 Kommentare

  1. Sehr schöner Beitrag.
    Also ich bin generell ja schon der Meinung, dass Apple mit den Konzepten (gerade mit Lion und Mountain Lion) den richtigen Weg geht. (siehe http://azlog.de/912)
    Jedoch stimme ich zu, dass ich lieber ein sauberes UI habe als den Versuch, physische Pendants zu haben. Ich wähle ja aus bestimmten Gründen die digitale Variante anstelle der “analogen”. Und ich brauche mich am System nicht “zu Hause” fühlen. Unter iOS auf dem iPhone fühle ich mich ja auch zu Hause. So wie iCal ohne Leder wäre es mir recht. Simpel – Einfach – Funktional.

    • Ich schrieb ja nur über dieses eine Detail, was nicht ausschließen soll, dass auch viel richtig und besser gemacht wird.

  2. 100% ACK. Ich hasse diese Dinger wie die Pest. Die Lederoptik, das gebürstete Metal oder diese ganzen Holzhintergründe vieler iOS Apps. Wenn ich einen Holzschreibtisch sehen will, dann setze ich mich an einen hin.

    Ein Kompromiss wäre ja, wenn man das abschalten könnte. Standardmässig ist das angeschaltet, so dass sich die neuen User besser zu Recht finden und wenn man es nicht will, kann man das deaktivieren. Noch besser, wenn es einfach Themes wären, dann kann sich das jeder so stylen wie er will. Eine von diesen System-Anpassungs-Apps die das in allen möglichen Programmen deaktiviert würde ich sofort kaufen.

  3. Ich denke, dass es ein paar grundlegende Regeln im UI-Design gibt, die man befolgen sollte. Alles was darüber hinaus geht wie Skeuomorphismen sind ganz nett, aber haben keine signifikanten Vorteil. Ist ein netter Eye-Catcher und nach ein paar Wochen absolut langweilig.

    • Och… manchmal hat die Einführung bekannter Elemente schon einen Sinn. Ein Beispiel wären die schwarzen Balken in Computerspielen. Immer wenn unten und oben schwarze Balken eingeblendet werden weiß der Gamer, dass jetzt ein Video abgespielt wird und er sich zurücklehnen kann. Warum? Weil er das aus Filmen kennt. Ich denke nicht, dass schwarze Balken jemals langweilig werden könnten ;)

    • Ein weiterer Gedanke: Größere Zeitungen teilen ihre Artikel gerne in mehrere Seiten ein. Auf fast allen Blogs ist jeder einzelne Artikel auf einer einzelnen Seite gelistet. Das sind doch klare Buchanalogien. Wir könnten stattdessen auch mit Anchor-Links o.Ä. arbeiten (und ich glaube, dass es in ein paar Jahren mal zu so etwas kommen wird), tun es aber nicht, weil man sich im klassisch geordneten System einfach besser zurechtfindet. Skeuomorphismen müssen ja nicht zwangsläufig immer optische Elemente sein.

  4. Mal abgesehen von der verkorksten Begrifflichkeit des “Skeuomorphismus”:
    right genau so ist es … statt iCal wenigstens funktional an das iPad oder iClod-Design anzugleichen gibt es Ledercover.. Schlimmer noch das Adressbuch, dass sogar noch ungelenker geworden ist

    Auch das neue “Nachrichten” (beta) glänz vor allem mit einem: unlogischer, vor allem aber nicht-intuitiver Bedienung. Und die Inkonsistenzen nehmen zu – kann man auf dem iPad/iPhone aus dem Adressbuch eine FaceTime- oder iMessage-Session starten, sucht man in Mac OS X die Funktion vergebens

    Allerdings kann ich den Kacheleien/Teletubbie-Riesenschrift-Basteleien von MS auch nichts abgewinnen – viel Platz bei NULL Info scheint dort die Devise zu sein – wie man z.B. mit Windows Phone einen typischen Business-Posteingang bewältigen will bleibt ein Rätsel

  5. “Gleichzeitig wird die Optik verschiedener Programme so sehr fragmentiert, dass eine intuitive Übertragung eines Bedienungsmusters von Programm A auf Programm B wesentlich schwerer ist als zuvor. Konsistenz > Skeuomorphismus”

    Ich sehe das ein bisschen anders. Prinzipiell ist Konsistenz natürlich spitze, aber: das starre Raster typischer Mac OS-Interfaces zwingt UX-Konzepte sich in eingeschränkten Bahnen zu bewegen. Echte Innovation ist nicht möglich. Es macht also durchaus Sinn, mal aus diesem Rahmen auszubrechen, um die Benutzererfahrung zu verbessern. Eine Kalender-App muss nicht aussehen, wie ein Bildbearbeitungsprogramm.

    Im Vorher-Nachher-Vergleich sieht man zudem deutlich, dass die (hässliche) Leder-Textur eben nicht das einzige ist, was verändert wurde. Alleine die Tatsache, dass die aktuelle Woche (13. – 19. Februar) über dem nun viel großzügiger gestalteten Kalenderblatt steht, zeigt, dass ein bisschen mehr dahinter steckt, als pure Dekoration.

    • Du nimmst meinen Text etwas zu wörtlich (vielleicht liegts auch an meiner Formulierung) ;) Ich spreche natürlich vom groben Prinzip. Für Konsistenz gilt genau wie für Skeuomorphismen, dass man es nicht zu sehr übertreibt. Innovation folgt oft genug aus Regelbrüchen.

      Klar hat sich bei iCal etc. auch Positives getan. Nur weil Apple jetzt bei manchen Apps auf Lederoptik setzt, heißt das ja noch lange nicht, dass andere Sachen nicht deutlich verbessert würden.

  6. Ich teile deine Meinung vollkommen, z. B. die Gruppenverwaltung bei Address Book finde ich jetzt deutlich umständlicher…

  7. Ich finde es persönlich auch hässlich und kitschig,
    kann mir aber vorstellen, dass es in dem sinne zweckdienlich ist, da die Programme so schneller voneinander unterschieden und erkannt werden, zB im Mission Control/Expose Modus.
    Bei vielen geöffneten Programmen, zb verschiedenen Office-Tools fällt es bei steigender Menge schwerer, die Fenster in der Verkleinerung zu identifizieren.
    Diesen Aspekt der “Wiedererkennung” sollte man denke ich in einer Beurteilung berücksichtigen.

    • Kai-Uwe Beyer

      17.02.12, 12:31, #13

      Das mit der Überlagerung der Fenster einer Anwendung in Mission Control ist mir auch schon aufgefallen. Ich erinnere mich noch so gerne an Leopard zurück, bei dem die Übersicht aller geöffneter Fenster so schön zufällig angeordnet wurde. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier. Noch hält mich das Betriebssystem bei MacOS. Aber die Weitereinwicklung von MacOS stimmt mich nicht mehr so froh. Mich beschleicht das Gefühl, dass sie sich hier anfangen wie MS im Detail zu verzetteln. Aber noch haben sie den Vorteil einer nicht Vorhandenen Registry. ;-)

  8. Kai-Uwe Beyer

    17.02.12, 12:25, #15

    Dein Beitrag spricht mir aus dem Herzen. Seit Lion entwickelt sich MacOS leider zum Nachteil von Anwendern wie mir. Mit Spielereien wird alles aufgehübscht, aber die intuitive Funktionalität, welche viele MacOS User über Jahre hinweg zu schätzen gelernt haben (ich erinnere nur an cmd+,), löst sich zum Wohle von grafischer UI in Wohlgefallen auf. Schade Apple.
    Aber solange ihr versucht iOS auf einen Arbeitsrechner wie ein MacBook Pro pseudomäßig zu portieren, werde ich wohl vorerst bei Snow Leo bleiben.
    BTW: Ich habe ein MBP mit Lion vor mir. Mir erschliessen schon die simpelsten Änderungen gegenüber SL nicht. Beispiel: Ethernetkabel noch am Rechner. Externer Monitor wird ausgeschaltet und der Mac zugeklappt…unter SL ging der Mac in den Standbye Modus. Unter Lion rattert er brav weiter. Was soll das? Ich will das keep it simple von MacOS zurück.

  9. Pingback: ksis blog » Blog Archiv » Lion und was danach kommt

  10. Desktop, Drawer, Trashcan, Windows, Finder und Explorer, Menüs, Buttons waren durchaus sinnvolle Skeuomorphismen um Computertechnologie auch jenseits der Terminal orientierten Programmmiererkaste für den Alltagsnutzer verständlich und handhabbar zu machen. Aqua war die noch akzeptable Ergänzung (Eyecandy), die Sache unter Zuhilfenahme moderner Grafikkapazitäten noch ein wenig aufzuhübschen. Jenseitskann die Sache verständlicher Weise nicht mehr besser sondern nur noch anders werden. Apple geht hier m.E. den Weg von Adobe, deren Programme einmal mit einer unglaublich guten Usability gestartet sind und heute mit jedem Update nur noch überladener werden.

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  12. Sehe ich genauso. Ein “gestylte” GUI lenkt eher vom eigentlichen Inhalt ab und macht die Bedienung komplizierter, statt sie zu vereinfachen. Weniger ist oft besser.
    Generell bemerke ich bei OS X den Trend, dass IMHO unnötig Komplexität hinzugefügt wird. “Versions” zum Beispiel, da habe ich ein proprietäres Versionsverwaltungssystem, dass irgendwie im Hintergrund arbeitet und über das ich nicht den vollen Überblick habe. Was passiert, wenn man ein Dokument an Nutzer anderer Systeme weitergibt? Wenn man selber eine Versionsverwaltung wie git einsetzt oder Dropbox, dass eine solche integriert hat? Ich weiß nicht, was eigentlich passiert – wie bei iOS. Man muss sich zusätzlich Gedanken machen; ich kümmere mich lieber selber um solche Sachen und habe so die Kontrolle. Für den weniger versierten Nutzer sieht das vielleicht wieder anders aus.

    • Wenn man versionierte Dokumente weitergibt, wird nur die zuletzt aktuelle Version übertragen.

      • Ja, das steht auch auf der Apple-Website, da wird E-Mail, iChat und AirDrop zum Tauschen erwähnt. Was ist mit USB-Sticks oder Samba? Mich würde interessieren, ob Versions ein Feature von HFS+ ist (andere Dateisysteme haben ja auch solche Features) oder ob die anderen Versionen in einer zentralen Datenbank auf dem Mac gesichert sind (was wenn man mehrere Computer hat?) oder ob es vielleicht in den Dateiformaten implementiert ist. Es ist mir nicht klar ersichtlich, wie Versions arbeitet.

  13. Der Schreibtisch, der Papierkorb, die Ordner, das Dokument. Alles klassische Skeuomorphismen, an die wir uns gewöhnt haben und die wir nicht mehr missen wollen. Oder möchte etwa ernsthaft jemand, dass der Papierkorb ganz genau so aussieht, wie alle anderen Ordner? Nein!

    Also hilft es auch nichts Skeuomor… (dämliches Wort) grundsätzlich zu verdammen. Vielmehr muss man zwischen Metaphern unterscheiden, die funktionieren und denen, die nicht funktionieren. Nicht funktionieren tut für mich das Adressbuch. Es sieht zwar aus wie ein Buch, aber ich kann darin nicht blättern.

    Der Ledereinband vom Kalender stört mich hingegen überhaupt nicht. Solche Texturen können sogar den Wiedererkennungswert erhöhen, im Gegensatz zu, wenn alle Anwendungen gleichmäßig grau wären. Es ist zweifellos hübscher anzuschauen und belebt solche Apps, die man eher selten und immer nur kurz benutzt.

    • Ich verdamme Skeuomorphismen (ich hab das Wort ja nicht erfunden und es ist präzise^^) ja im Artikel nicht generell. Siehe dazu auch meine anderen Kommentare, in denen ich ebenfalls funktionierende Beispiele anführe. Ich wollte in diesem Artikel Grenzen aufzeigen, die m.E. nach überschritten werden. Wie schon im Text erwähnt: Skeuomorphismen sind nützlich, aber auch für sie gilt es einen gesunden Mittelweg zu finden.

      Sporadische Kalendernutzung mag für Dich gelten, aber nicht für alle ;) Unter den oben genannten Aspekten find ich die „Neugestaltung“ nicht wirklich gelungen. Wiedererkennungswert muss nicht unbedingt über einen Lederbalken gewonnen werden. Dazu reichen doch schon z.B. die Spalten.

  14. nene, seh ich ganz anders. Mir gefällts und es erleichtert das Arbeiten. Dabei ist meine Subjektivität das Wichtigste. MS geht m.E. mit Minimalgrafik in die falsche Richtung. Aber wers braucht…

  15. Skeuomorphes Design hat in gewissen Bereichen und in einem gewissen Umfang sicher seinen Nutzen, wie hier schon erwähnt z.b. Desktop oder Papierkorb, aber gerade der Ledereinband von iCal ist einfach lächerlich. iCal ist nun wirklich kein Programm für das man einen Master in Softwar engeneering benötigt um es zu verstehen.
    Es bringt in meinen Augen weit mehr in alles Apps eine gewisse Konsistenz der Elemente zu erzeugen da man sich so schnell in allen Apps zurecht findet, was Apple bzw. auf Mac bis jetzt ja ganz gut umgesetzt wurde. Ein Beispiel hier ist z.b. auch iOS, ein paar Standartelemente haben sich durchgesetzt die so sinn haben und erleichtern damit das Bedienen generell.

  16. Danke fuer den Artikel, volle Zustimmung!

    Persoenliche Erfahrung – irgendwie gewoehnt man sich an alles. Dennoch bereits x-fach gewuenscht, es waere einfach zentral abschaltbar. Da hier nur Design und nicht Funktionalitaet geaendert wird, sollte es wohl eigentlich auch recht einfach umsetzbar sein. Man erinnere sich an die diverse “Skin” Funktionalitaeten von verschiedenen OSen.

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  18. Du schreibst, dass die Position der einzelnen Buttons (im genannten Beispiel iCal) gleich bleiben. Warum sollte – nach einer grafischen Auffrischung und gleichzeitiger Beibehaltung der Position und Funktion dieser Buttons – die Bedienbarkeit darunter leiden? Warum wird das Programm dadurch “verkompliziert”?

    Auch sehe ich nach dem grafischen workover keine (starke) Fragmentierung von Bedienmuster zwischen den Programmen. Ein negatives Beispiel wäre, wenn das Suchfeld nicht mehr rechts oben wäre sondern beispielsweise ganz wo anders (Startseite oder extra Seite, analog zu einem Index in einem echten Kalender). Auch hier blieben alle Funktionen an ihrem Ort und ich sehe kein leiden der Bedienbarkeit.

    Apple möchte mit diesem Konzept die eigentlichen Apps (die Anwendungsprogramme mit denen tatsächlich gearbeitet wird) vom Basissystem abheben und sie (visuell) näher an die Apps des Stores bringen. Ähnlich wie die vorinstallierten Apps des iPhones. Diese unterscheiden sich von der Icon Platzierung, Größe und Position nicht von den anderen aus dem Store installierbaren Apps.

    Durch die Beibehaltung der Funktionalität und der Homogenisierung der Apps untereinander schafft Apple den Spagat, Geeks und Standarduser zu befriedigen.

    • iCal war ein suboptimal gewähltes Beispiel (siehe Nachtrag im Artikel) :D

      Ich wollte im Artikel nur Möglichkeiten aufzeigen, wie skeuomorphe Elemente über das Ziel hinausschießen. iCal ist vom Lederbalken abgesehen ja noch ein recht moderates Beispiel. Trotzdem: Schon dieses Lederelement bringt eigentlich keinen wirklichen Vorteil. Dem Nutzer wird suggeriert, dass die App besser aussieht und leichter zu bedienen ist.

      Letztenendes wird man aber nur mit einem weiteren optischen Eindruck gefüttert, der auch verarbeitet werden will. Ich kann verstehen, wenn es subjektiv nicht als störend empfunden wird. Werden Glossy Displays beispielsweise auch nicht. Es erwiesen, dass Lichtreflexionen je nach Intensität sehr ermüdend wirken können, trotzdem stört es viele Leute nicht, viele finden es sogar besser (kräftigere Farben, etc.). Je nach Display ist die Reflexion manchmal stärker, manchmal schwächer. Das ändert ja nichts an der Tatsache, dass es diesen negativen Effekt (in verschiedenen Intensitäten) gibt. Genauso der Lederbalken: Stört vielleicht nicht, sieht vielleicht gut aus, aber trotzdem ist das ein ablenkender Faktor (in schwacher Intensität). Ich persönlich nehme das wahrscheinlich stärker wahr, sonst wäre der Artikel auch nicht entstanden :)

      Homogenisiert wird m.E. heute wesentlich weniger als früher. Eigentlich sind die Apple-eigenen Apps stellenweise unnötig inkonsistent. Zumindest die Geek-Kundschaft ist zu großen Teilen damit unzufrieden. Ich sehe da keinen Spagat ;)

      • Hallo Stefan,
        Danke für deine Antwort erstmal!

        Ich verstehe deinen Punkt, Programme möglichst schlicht zu halten gut. Bei iTunes gab es nach Abschaffung der bunten Icons Kritik, dass alles in einem Einheitsgrau verschwimmen würde. Trotzdem lässt sich das Programm gut bedienen.
        Daher bin ich der Meinung, dass die Form eines Programms durch die logische Anordnung und konsistente Funktionalität eine größere Rolle spielt wie der später darüber gelegte Skin.

        Es sind zwei Punkte die beim Aussehen eine wichtige Rolle spielen.
        Zum einen Spielt die Sprache eine wichtige Rolle (wie oben schon in einem Kommentar erwähnt wurde). Analogien zum echten Leben helfen deutlich etwas schneller zu verstehen und zu verwenden. (Papierkorb- oder Arbeitsplatz-Icon)
        Zum anderen ist der User unbewusst wesentlich fehlertoleranter, wenn er sich mit einem schön gestalteten Programm beschäftigen muss. Bei einem Problem sucht er dann eher nach einem alternativen Lösungsansatz wie bei einem grau-in-grau Programm. Donald Norman beschreibt das in seinem Buch “Why we love or hate everyday things” ganz gut. Hierzu auch sehr zu empfehlen, sein ted talk!!
        http://www.ted.com/talks/don_norman_on_design_and_emotion.html

        • (Warum sollte ich nicht antworten, da brauchst Du Dich nicht bedanken, ich danke für den kritischen Kommentar!^^)

          Dann sind wir schonmal einer Meinung, dass Funktionalität und logischer Aufbau wichtiger sind als ein Skin. Wobei ein Skin auch eigentlich nicht so schlimm wäre, da er ja erst nachträglich über die Programmoberfläche gelegt wird. Schlimm wirds — wie schon öfter gesagt — erst, wenn man das Programm aufgrund des Skins grundlegend anders aufbaut.

          Skeuomorphismen dezenter einzusetzen bedeutet ja nicht unbedingt, dass ein Programm grau-in-grau oder unschön aussehen muss. Schau Dir beispielsweise mal Tweetbot oder Ecoute an. Du kannst den Apps so einiges vorwerfen, schlechtes Aussehen gehört allerdings nicht dazu. Auch hier werden alltags-assoziierte Elemente (diverse Symbole, der Lautstärkeregler in Metalloptik) eingesetzt, aber es geschieht dezent und nur da, wo es auch wirklich weiterhilft.

          Um zu iCal zurückzukommen. Die App sollte m.E. so gestaltet sein, dass der Nutzer sagt „mit dem Programm werde ich schon fertig, es sieht logisch und schön aus“ und NICHT „orr geil Lederoptik, ist wie beim echten Kalender“.

          In a nutshell: Schönes Design muss nicht bedeuten, dass man es dermaßen mit Alltagsanalogien übertreibt, eher im Gegenteil. Leider lässt man sich viel zu leicht überlisten. Ist wie bei den Glossy Displays, die verkaufen sich ja auch prächtig, ich tippe diese Antwort sogar an einem. Einen übermäßigen Einsatz von Skeuomorphismen abzulehnen heißt übrigens auch nicht Farbe abzulehnen ;)

          Den Talk werde ich mir die Tage anhören. Das Buch konnte ich bei uns in der Folkwang-Bib nicht finden, vielleicht bestell ich mir das mal. Sieht ebenfalls gut aus. Danke!

          • (Es ist nicht immer selbstverständlich, dass Autoren von Blogs die Leserkommentare kommentieren ;-))

            Die Verwendung von skeuomorphem Design soll jeden(!) Geschmack positiv treffen: “erinnert mich an so-und-so. Damit werde ich also klar kommen.” genauso wie “Boar geil, Lederoptik! Wie beim echten Kalender!!1″. Beides ermutigt kreatives Handeln des Users unbewusst und verleitet ihn, mit der Software besser umzugehen. Dass die Funktionalität und die Beibehaltung der Arbeitsabläufe erhalten bleiben muss, darüber sind wir uns ja einig.

            Ich finde iCal ganz in Ordnung. Das Adressbuch weniger, weil das Design eine Funktion darstellt, die nicht funktioniert: Ein Buch in dem ich nicht blättern kann. Es kommt darauf an, ob alle Funktionen den (skeumorophen) Elementen (und ihrem Design) gerecht werden!

            Daher würde ich sagen, dass Skeuomorphismus Probleme eher löst (siehe kreatives Handeln) und nicht wie es der Titel des Blogposts beschreibt.

            Kurz zu den Glossy Displays: Sie behindern die eigentliche Funktion, die ein Display erfüllen soll. Nämlich das lesen des Dargestellten. Funktional also völlig daneben. “Skeuomorphistisch” gesehen daher auch (zumal ich noch nie zuvor von einer spiegelnden Oberfläche gelesen habe und viele andere auch nicht ;-))

          • (Bei uns schon :D)

            Wie gesagt: Schon ein Ledereinband stört für mich die Funktion, er lenkt ab, bestimmte Sachen werden weniger lesbar, der Nutzer geht nicht hin und denkt sich „ach das Bedienungsmuster kommt mir bekannt vor“, sondern „oh komplett anderes Programm“ (Stichwort Konsistenz). Alles natürlich im erträglichen Bereich, aber warum sich in der Nutzerfreundlichkeit bei 75% bewegen, wenn es auch bei 100% ginge?

            Letztenendes unterscheiden sich unsere Kriterien für gutes Softwaredesign so gut wie gar nicht. Wir ordnen bestimmte Dinge nur anders ein ;)

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  20. Ich mag ja schon etwas älter sein, aber dieses quietsch bunte Windows Design strengt mich eher an, als das es mir hilft. Für mich zählt, wie schnell ich eine Aufgabe erledigen kann und danach fängt das Auge an mitzuessen.

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