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Die leidige E-Book-Argumentation

Ich besitze erst seit gestern ein Kindle – dem Aktionspreis (60€) konnte ich trotz Studentenbudget nicht widerstehen, zumal ein E-Book-Reader schon länger auf der Agenda steht – und trotzdem hatte ich schon gefühlte 9879345789 ungewollte, bildungsbürgertümelnde Diskussionen an der Backe, inwiefern E-Books ihren gedruckten Pendants denn unterlegen sind: Haptik und Typographie seien schlechter, Buchpreise unterschieden sich nicht, sie ließen sich trotzdem nicht verleihen bzw. verkaufen. „Leben und leben lassen“ scheint auch offline ein ernstes Problem zu sein :D

Also tippe ich diese Zeilen, damit ich mich nicht immer wiederholen muss und stattdessen einfach diesen Beitrag verlinken kann: Es geht mir hauptsächlich um lineares Lesen (Romane), nicht um den kompletten Weggang / Umstieg von gedruckten Medien. Für informierendes, konsultierendes und selektierendes Lesen (z.B. Wochenzeitung, Sach- und Referenzliteratur) bleibt Papier die erste und m.E. auch bessere Wahl, weil man schneller Dinge überfliegen und überblättern kann.

Bei den meisten Romanen ist der Unterhaltungsfaktor allerdings überhaupt nicht eingeschränkt, fremdsprachige Bücher lesen sich dank schneller Nachschlagefunktion sogar flüssiger. Hier steht die nur Papiernostalgie den vielen Vorteilen gegenüber. Und diese Preis- und Besitzdiskussion hat Kathrin Passig intelligenter und schlüssiger zerlegt als ich es je könnte:

Das Argument lautet häufig: „Ich bezahle für ein E-Book praktisch dasselbe wie für ein Papierbuch, bekomme aber weniger dafür“. In mancher Hinsicht können E-Books – aus technischen wie aus rechtlichen Gründen – weniger als Papierbücher, in anderer Hinsicht aber wiederum mehr. Man hat sie immer dabei, sie wiegen nichts, sie sind leicht durchsuchbar, und so weiter. Genausogut könnte man also argumentieren, dass E-Books mehr kosten dürften als Papierbücher.

Letztlich ist beides egal, der Preis ist Ergebnis eines Aushandlungsprozesses und hat bei vielen Produkten nur sehr bedingt mit Herstellungs- und Materialkosten zu tun. Wenn die E-Book-Preise in Deutschland nicht so eng an die Papierbuchpreise gekoppelt wären, gäbe es die Diskussion wahrscheinlich gar nicht.

Im Übrigen weiß ich aus langer und leidvoller Erfahrung, dass der Weiterverkauf von Büchern a) den meisten viel zu mühsam ist und b) sehr überschaubare Beträge einbringt. Das gilt auch in den Zeiten von Amazon Marketplace und Momox. Es ist wie Pfandflaschensammeln in Parks – kann man machen, die meisten tun es aber trotzdem nicht

Wichtige Gründe für den Besitz sind weggefallen

Lesen ist natürlich (!!!) Mischkonsum, bei dem jedes Medium seine Vorteile hat. Deswegen müsst Ihr nicht gleich den Untergang des Abendlandes prophezeihen, das nennt sich Fortschritt. Danke.

Autor: Stefan D.

Ich bin Stefan, Student einer Naturwissenschaft und nebenbei als Grafiker an meiner Uni tätig. Mit der Zeit bin ich etwas Dienst-sparsamer geworden, aber nach wie vor über die gute alte Mail erreichbar.

20 Kommentare

  1. Hi Stefan,

    schöner Kommentar.

    Sehe das ganz ähnlich.

    Aber darf ich fragen wo du den Kindle für 60€ her hast?
    Mein Studentenbudget will sich auch einen Kindle kaufen, aber sieht 80€ auch nicht ganz ein ;)

    • Ging mir bzw. den im Text beschriebenen eigentlich primär darum, dass privat gekaufte E-Books nicht verleihbar sind, weil oft DRM geschützt. Bibliotheken und Leihlizenzen sind ja nochmal ein anderer Schuh.

      • Als Amazon Prime Kunde (und das ist jeder Student zumindest ein Jahr kostenlos) steht einem zusätzlich auch noch eine digitale Leihbibliothek kostenlos zur Verfügung.

        • Hier sollte man bedenken, dass man nur als Prime-„Bezahlmitglied“ den Vorteil der Leihbücherei von Amazon hat. Also erst ab nach dem einem Jahr kostenloser Mitgliedschaft (hier ist es aber auch mit 15€ bezahlbar).

  2. Ich habe mir nach langem Hin und Her im Dezember auch einen Kindle gekauft und muss sagen, dass ich schwer begeistert bin.
    Ein großer Pluspunkt ist definitiv das Gewicht ggü. einem Buch. Ich lese recht viel unterwegs und da macht es schon was aus, ob man einen eBook-Reader oder ein Buch – evtl. ja sogar mehrere – dabei hat.
    Die Preisgestaltung ist bei mir allerdings auch immer noch ein Punkt, den ich persönlich kritisch sehe. Aber es gibt andererseits auch so viele günstige(re) bzw. teilweise sogar kostenlose eBooks. Mit amazon Prime kann man ja außerdem zumindest ein Buch pro Monat kostenlos ausleihen. Es hält sich unterm Strich, glaube ich, alles die Waage.

  3. Bei Amazon gibt es immer mal wieder Aktionen mit kostenlosen oder deutlich vergünstigten eBooks. Die Qualität dieser Bücher schwankt zwar sehr, aber wer sich nicht auf bestimmte Autoren festlegt, kann so manchen literarischen Schatz entdecken.

  4. Auch ich habe vorgestern zugeschlagen und mich über die schnelle Lieferung gestern gefreut. Heute habe ich das Kindle mit um im Zug zu lesen. Der erste Eindruck ist soweit ganz ok aber der Härtetest steht noch aus. Positiv überrascht hat mich die Tatsache das meine Kindle eBooks auf dem neuen Kindle im Archiv sofort zu Verfügung standen und runter geladen werden konnten.

  5. Eine Frage habe ich zum Kindle, denn Ich selbst stand gestern auch vor der Wahl, nehme ich es oder nicht. Ich habe mich dagegen entschieden.
    Für mich wäre es interessant gewesen, wissenschaftliche Artikel in Form von PDF mit Abbildungen darauf zu lesen. Das ist meiner Meinung nach in Papier sehr Umweltbelastend, am Mac sehr anstrengend und auf einem nicht Retina-Ipad auch nicht schön.

    Kann man so wissenschaftliche Paper konvertieren? Könntest du dazu mal einen Bericht schreiben? Ich kann dir auch gerne ein frei zu veröffentlichendes Paper zur Verfügung stellen zum testen und zeigen.

    • Was ein Zufall, das war quasi das Erste, womit ich mich nach dem Kauf beschäftigt habe – auch wenn fairerweise gesagt werden muss, dass ich mir den Kindle nicht fürs Paper lesen angeschafft und auch nicht viel in der Richtung erwartet habe. Vorweg: Es geht, wäre mir aber zu unkomfortabel.

      Die PDF-Darstellung ist von Haus aus gar nicht übel und lässt sich vernünftig zoomen, allerdings hat Amazon irgendwie die Möglichkeit verpasst eine Spaltenerkennung und stufenloses Scrollen einzubauen, sodass ich bei 150% wahlweise den einen oder anderen Teil der zweiten Spalte zu Gesicht bekomme. Es gibt dafür einen speziellen PDF Reader, der das besser hinkriegt – Jailbreak vorausgesetzt.

      Alternativ können zweispaltige PDFs wohl beispielsweise mit reFlower vorweg in einspaltige konvertiert werden, was für den Fließtext auch klappt. Leider leiden die Abbildungen erheblich darunter.

      In den Life Sciences, aus denen ich komme, haben wir zudem sehr oft mehrfarbige, unübersichtliche und große Abbildungen. Hier stößt der kleine Bildschirm einfach an seine Grenzen und es wird umständlich alles erfassen zu können. Das und die eingeschränkte Annotationsmöglichkeit macht den Kindle für mich eher zu einer Notlösung.

      Frühfazit, aber das hast Du Dir sicher auch schon so gedacht: Wenn die Abbildungen sich größen- oder detailtechnisch in Grenzen halten und Du nicht annotieren willst, wäre das eine Option. Wenn ich mich länger damit befasst habe, kann ich Dir vielleicht Genaueres sagen.

  6. Richtig, beides hat Vor- und Nachteile und man muss keinen Krieg anfangen, welches Medium denn nun besser ist. Allerdings habe ich mich bislang nicht dazu durchringen können, einen Kindle kaufen zu können, denn der ist an einen Amazon Account gebunden. Nur einen. Viele Bücher gibt es aber nicht in allen Ländern. Ich könnte also nur entweder Bücher aus dem deutschen oder welche aus dem US-Shop laden, aber nicht beide gleichzeitig. Und das finde ich völlig inakzeptabel.

  7. Es gibt praktische Überlegungen, die für einen eBook Reader sprechen. Was ich allerdings ablehne ist das restriktive DRM. Kein Problem wenn mir die eBook Anbieter, wie bei der bei iTunes gekauften Musik, meine Account Daten ins File schreiben, damit sie den Ursprung nachvollziehen können, wenn ein Buch von mir in File-Sharing Netzen auftaucht. Wenn ich allerdings derart in der Nutzung eingeschränkt werde, dass ich weder vernünftig ein Buch verleihen kann, noch auf dem Gerät oder in der App meiner Wahl lesen kann, dann kommt das für mich nicht in Frage.
    Ich habe auch keine Musik bei iTunes gekauft, solange die Musikfiles mit DRM in der Nutzung beschränkt waren, seitdem die Schranke gefallen ist, kaufe ich sehr viel Musik bei iTunes.
    Ich bin der Meinung, dass man DRM nicht unterstützen sollte. Erst wenn die Firmen merken, dass die Konsumenten das nicht akzeptieren, gibt es reelle Chancen, dass sie davon ablassen.

  8. Hallo,

    ich habe zur Zeit einen Kindle Paperwhite. Davor hatte ich den Kindle Keyboard (der ist leider mehrfach abgestürzt was das Display nicht überlebt hat)

    Um die meisten digitalen „Text“ Inhalte für den Kindle aufzubereiten ist das Programm
    calibre
    die erste Wahl! Damit lassen sich alle ebook Formate umwandeln.

    Ich will damit aber nicht die Raubkopie unterstützen. Also immer schön rechtens verwenden um pdf´s vernünftig auf dem Kindle zu lesen.
    PDFs mit Grafiken sind auf dem Kindle nämlich nicht so der Knaller.
    Die meisten haben als Format DIN A4 und der Kindle ist halt nur DIN A5? daher wird alles recht klein dargestellt. Mann kann zwar zoomen aber das finde ich nicht besonders smooth.
    Calibre Jagd eine Worterkennung über das PDF und formatiert den Text um. Das Format wird mit etwas fein tuning auch nicht zusehr zerstört.
    Das Programm ist recht mächtig und bietet einiges an Einstellmöglichkeiten.

    • Ja Calibre kann schon einiges, ist aber leider nicht gerade schön oder gar komfortabel und kann mit zweispaltigen PDFs nicht umgehen, jedenfalls hab ich noch nicht rausgefunden wie. So macht die App für mich jedenfalls keinen Sinn ;)

  9. Ich bin schon ewig am überlegen mir einen kindle zuzulegen und früher oder später wird es sicher auch passieren, aber was mich wirklich nervt dabei ist tatsächlich das man die Bücher nicht verleihen kann. Man könnte das doch an die amazon Accounts binden und sich dort quasi eine „Freunde-Liste“ aufbauen an die man dann verleihen kann und in der Zeit selber keinen Zugriff mehr auf das Buch hat.
    Ich würde einfach gern (wie mit echten Büchern auch) ein Buch, nachdem ich es gelesen habe, im Haushalt weiterreichen können wenn es mir gefallen hat. Das sich mehrere Personen im gleichen Haushalt das gleiche Buch kaufen müssen um es ebenfalls lesen zu können finde ich doch reichlich unschön und solange das noch so ist sind die Geräte für mich noch keine vollwertige Alternative zum gedruckten Buch.

      • Weiß man woran es liegt dass das hier nicht kommt? Unlust seitens amazon oder eher die Verlagslobby?
        Wenn das gehen würde würde ich auch nicht mehr groß überlegen.

      • Das geht, aber eigentlich nur theoretisch – soweit ich noch weiß, haben einige Verlage viele ihrer Bestseller aus dem Leihprogramm ausgeschlossen.
        Mein Paperwhite habe ich mittlerweile wieder abgetreten (sogar zum Neupreis :) ), mir war das Ganze zu umständlich – ich las vorher so viel auf dem iPad 2, dachte, mit dem Kindle wäre es komfortabler – mit dem iPad mini ist es für mich jetzt perfekt.
        Ein wichtiger Grund war auch die Onleihe, die geht noch nicht mit dem Kindle.