Ich habe mir die aktuelle Beta der in der letzten Woche erschienenen Linux Netbook Distribution Moblin 2.0 angesehen und möchte der Frage nachgehen, kann Linux endlich auch mit innovativen Ideen und Qualität punkten und nicht nur eine günstige, minderwertige Alternative sein.
Diese Frage klingt durchaus hart, ist aber ernst gemeint, denn viele Hersteller und auch Käufer wollen lieber im gewohnten Trott weiterschwimmen und reizen meiner Meinung nach das Potential eines Netbooks mit einem fast 8 Jahre alten XP nicht annähernd aus.
Meine Ausgangslage
Ein Netbook Samsung NC10, ein USB Stick und das letzte Moblin-Image, welches man hier runter laden kann. Auf den Moblin-Seite wird sehr schön beschrieben, wie man mit ein paar Handgriffen einen USB Stick herrichtet und boot-fähig macht. Ich habe mich für die OS X-Variante entschieden und die funktionierte bei mir einwandfrei.
Kurzfassung:
USB Stick einstecken, mit diskutil list nachsehen, welches Device der USB Stick ist und mit diskutil unmountDisk /dev/diskN den USB Stick abmounten und mit sudo dd if=/Users/olif/Downloads/21.05.09/moblin-netbook-ux-beta-20090518-004.img of=/dev/disk3 bs=1m das Image auf den Stick schreiben. Fertig. Das Netbook sollte nun von diesem USB Stick booten.
Neben dem NC10 werden auch noch eine ganze Latte an Netbooks unterstützt z. B. Acer Aspire One, Asus Eee-PC 901 und 1000H, Dell Mini 9, MSI Wind, Lenovo S10.
Die Installation

Das Moblin Image bietet neben der Installation die Möglichkeit, diese Version mit einer Live Variante zu testen und das funktionierte prima. Man hat aber, so war es in meinem Fall, schon nach einigen Minuten Blut geleckt und möchte Moblin ausführlicher testen und wählt nach dem Booten die Startoption “Boot and Install” für eine Installation.

Die Installation ist in wenigen Schritten abgeschlossen und dauert nur 7 Minuten. Man kann bei der Installation eine Partition wählen, vorhandene Partitionen kann man auch kleiner mache lassen. Das habe ich auch getan und bin prompt auf die Nase gefallen. Eine Ext3 Partition wurde zwar kleiner gemacht, konnte dann aber nicht mehr benutzt werden. Hier muß man ganz klar das Beta dieser Version auch als Beta betrachten und das System nur auf nicht kritischen Rechnern testen. Am besten also, vorher mit anderen Tools die Festplatte vorbereiten und Platz schaffen.
Man merkt es schon bei der Installation an einigen Stellen: Moblin 2.0 basiert auf Fedora und nicht mehr wie noch in der ersten Version auf Ubuntu. Was die Entwickler zu diesen Schritt bewegt hat, würde mich gerne interessieren.
Konzept und Bedienung
Man merkt sofort, Moblin basiert auf ein neues, vom Standard stark abweichendem Bedienkonzept. Steuern kann man Moblin durch eine Leiste am oberen Bildschirmrand, die erst dann eingeblendet wird, wenn man sich mit der Maus in die Richtung der Leiste bewegt.

Mittelpunkt des Ganzen ist die m_zone, eine Art Dashboard mit diversen, festen Widgets z. B. für Twitter, LastFM, Kalender, Aufgaben und alle möglichen Medientypen wie Bilder und Videos. Finde ich im Grunde genommen nicht schlecht angeordnet, aber wenn noch mehr Angebote integriert werden sollten, dann wird es wahrscheinlich recht schnell unübersichtlich.
Applikationen wie Browser (Chrome-basiert?), Medienplayer sind Beispielanwendungen wie man sich von Moblin Applikationen auf einem kleinen Display vorstellt, nämlich im Fullscreenmodus, ohne störende Fensterelemente, um den wenigen Platz optimal auszunutzen. Applikationen werden in sogenannten Zones verwaltet. Man kann in den Zonen mehrere Apps starten und kann diese über die Zones-Tab direkt anspringen. Das Applikationsmenü dient zum Starten der Programme.
Features wie Wlan, Sound, Shortcuts für Displayhelligkeit funktionierten prima unter Moblin 2.0.
Fazit
Moblin ist derzeit ein Konzept. Man merkt es an vielen Stellen, dass es gut gemeint ist, aber noch an viele Stellen etwas unausgereift wirkt. Das System fühlt sich sehr schnell an. Ich habe sogar das Gefühl, das die GUI eher auf Touchscreens ausgelegt ist, als auf die Bedienung mit einer Maus. Aber Touchscreens bieten heutige günstige Netbooks noch nicht. Ist aber vielleicht die Zukunft. Gibt man diesem Moblin noch ein wenig Entwicklungszeit, dann kann es durchaus ein Netbooksystem werden, welches man gerne auf solchen kleinen Netbooks benutzen möchte. Die Zeit wird es zeigen.
Ubuntu wird aber trotzdem derzeit mein Mobil-Netbook-OS bleiben. Es hat aber sehr viel Spass gemacht mit Moblin zu spielen und ich werde es auf jeden Fall im Auge behalten.
Screenshots


Video
[youtube vsCpIeLLoT8]
Links
http://moblin.org/
http://moblin.org/documentation/test-drive-moblin/using-moblin-live-image
http://www.youtube.com/watch?v=vsCpIeLLoT8